Berichterstattung aus Hikkaduwa
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Donnerstag 21. April 2005

Endlich ist es soweit, unser Internetanschluss funktioniert! Uli musste sich in Galle eine neue Nummer geben lassen. Hier dauert alles etwas länger als wir uns gewöhnt sind. Nach einer langen und beschwerlichen Reise sind wir am 19. April gut in Colombo gelandet. Unsere Gastgeber holten uns am Flughafen ab. Nach vier Stunden Autofahrt (für 130 km) über holperige Strassen mit unglaublich viel Verkehr erreichten wir unser Ziel in Hikkaduwa. Vor allem im Einzugsgebiet von Hikkaduwa bestehen grosse Schäden des Tsunami. Kilometerweit ist alles verwüstet. Ganze Zeltdörfer sind aufgebaut und auch bewohnt. Es sieht schrecklich aus. Auf der Strasse werden wir von den meisten Leuten herzlich gegrüsst. Viele von ihnen versuchen mit uns ins Gespräch zu kommen. Sie alle erzählen uns von den Schrecken des Tsunami. Alle sind sie persönlich betroffen oder kennen welche, die ihr Leben oder ihr Hab und Gut verloren haben. Alle wünschen/benötigen sich finanzielle oder materielle Unterstützung. Es wird erzählt, dass in der Umgebung von Hikkaduwa bis zu 5000 Menschen ihr Leben verloren haben. Ca. 3000 davon aus Hikkaduwa und Umgebung, und ca. 2000 befanden sich im verunfallten Zug vor Hikkaduwa. Zur Zeit sind wir am Abklären, wie und wo wir unsere Eure / Mittel und Hilfe verwenden werden. Unsere Gastgeber Dayrathne und Lalani werden uns dabei unterstützen. Sie kennen die Situation und die Not der Bevölkerung bestens.
Uns beiden geht es gut. Im Moment ist hier Regenzeit, es ist heiss und die Luftfeuchtigkeit sehr hoch. Die Mücken und Fliegen sind eine Plage. Über unsere persönliche Sicherheit braucht sich niemand zu sorgen, wir geniessen das Privileg eines Nachtwächters. Er bewacht unseren Schlaf, damit wir von niemand gestört werden.

Freitag 22. April 2005

Heute bin ich bereits um 7.30 Uhr aufgestanden. Es war wunderschön, im Garten zu sitzen und den Geräuschen aus dem Busch zuzuhören. Verschiedene Vögel singen, Grillen zirpen und Affen schreien. Die Temperatur ist sehr angenehm.
Gestern Abend besuchte uns ein Nachbar. Als Geschenk brachte er einen Bund kleiner Bananen. Sie sind herrlich. Früher arbeitete er für den Staat bei der Bahn. In Sri Lanka wird man bereits mit 55 Jahren pensioniert. Er erhält jedoch nur 5000 Rupien Pension im Monat. Das sind ca. 60.- Fr.
Weil Vollmond ist, ist heute ein Feiertag! Bei den Buddhisten wird bei Vollmond immer die Geburt, die Erleuchtung und der Tod des Buddha gefeiert.
17°° Uhr. Gestern dachte ich, dass der Höhepunkt der Wärme erreicht ist. Dem war nicht so! Heute ist sogar mir der Schweiss in kleinen Bächen den Rücken hinuntergelaufen. Uli war klitschnass. Zur Zeit naht ein Gewitter mit gewaltigem Donner.
Um 10°° Uhr morgens sind wir mit dem Tuktuk losgefahren und haben uns die Schäden nahe der Küste in der Umgebung von Hikkaduwa angesehen. Das Ausmass der Schäden ist gewaltig. Ganze Dörfer sind dem Erdboden gleichgemacht. Auf den Fundamenten stehen kleine Zelte, Hilfsorganisationen und Touristen auf privater Basis haben Holzhäuschen in der Grösse von ca. 5 auf 3 Meter und ganze Zeltdörfer aufgestellt. Die Menschen an diesen Orten werden noch vom roten Kreuz betreut. Sie warten geduldig in einer langen Reihe auf Essen und medizinische Versorgung.
Die Menschen beklagen sich, dass der Staat nicht mehr finanzielle Hilfe zur Verfügung stellt. Sie sagen, dass alles was sie an Unterstützung erhalten vom Ausland kommt.
Dayrathne erzählt uns von einem Dorf mit ca. 1800 Einwohnern. Davon haben etwa 55 die Flutwelle überlebt. Immer wieder erzählen uns die Menschen wie das Wasser innerhalb kürzester Zeit ihre Existenz zunichte machte. In Geschäften und auf der Strasse werden wir oft um Hilfe angefragt und gebeten. Der eine benötigt ein neues Auto, der andere die Renovierung seines Geschäftes um wieder eine Existenz aufzubauen. 
In Sri Lanka gibt es keine Versicherungen und keine Kredite. Alles was in den Geschäften zum Verkauf angeboten wird muss vom Geschäftsinhaber beim Einkauf bar bezahlt werden. Die meisten Geschäftslokale sind gemietet. Die Vermieter weigern sich jedoch, etwa an die Reparatur der Tsunami- Schäden zu bezahlen. So haben die Mieter nicht nur ihre ganze Existenz verloren, sie müssen auch noch die gemieteten Geschäfte selbst wieder aufbauen und bezahlen.

Samstag 23. April 2005

heute morgen haben sich Uli mit Dayrathne mit dem Motorrad auf den Weg zu einem Bekannten von Dayrathne gemacht. Er wohnt im Überschwemmungsgebiet. Von der Katastrophe blieb er verschont, in seiner Umgebung sind jedoch viele Familien die alles verloren und Unterstützung benötigen. Die ersten zwei Familien die sie besuchten, bewohnen seit Jahren ein Lehmhaus in ärmlichen Verhältnissen, wurden vom Tsunami jedoch nicht betroffen. Der dritten Familie hat die Flutwelle bis zum Fundament alles weggeschwemmt. Sie wohnen zur Zeit mit ihren zwei Kindern unter einem Blechdach, das von Holländern auf dem Fundament errichtet wurde. Jeder kann sich vorstellen wie heiss es unter einem Blechdach bei 30 bis 40 Grad werden kann. Drei andere Familien haben mit dem Aufbau ihrer zerstörten Häuser wieder begonnen.  Die einen benötigen noch finanzielle Unterstützung für das Hausdach, die andern für Zement, Steine, Türen und Fenster. Da wir die Hilfe auf Tsunami Opfer beschränken, haben wir beschlossen der Familie mit dem Blechdach und den andern drei Familien zu helfen.( Bild 1 , Bild 2, Bild 3) Morgen werden wir alles in die Wege leiten, dann kann am Montag mit der Arbeit begonnen werden.

Sonntag 24. April 2005

Um 10 Uhr sind wir im Tuktuk mit Dayrathne und Lalani zu Priante gefahren. Er wohnt mit seiner Familie in Kallupe einem Vorort von Hikkaduwa. Er wird die Bauarbeiten koordinieren, alle Abrechnungen schriftlich festhalten und die Bauarbeiten gemeinsam mit uns überwachen. Zu fünft machten wir uns auf den Weg. 

Zuerst besuchten wir die Familie die unter dem Blechdach wohnt. Sie besitzen seit dem Tsunami gar nichts mehr und benötigen dringen Hilfe. Ihnen werden wir helfen ein neues Haus zu bauen. Es wird in der Grösse von ca. 6 m auf 7.5m sein und aus zwei Schlafräumen und einem Wohnraum bestehen. Die Küche werden sie unter dem Blechdach einrichten, die Toilette wird neben dem Haus gebaut. Eigentlich benötigen sie noch einige Möbel und Kochutensilien. Es ist immer wieder erstaunlich. Auch wenn die Menschen so armselig wohnen, machen sie einen saubern Eindruck
Bei der zweiten Familie stehen noch einige Mauern des Hauses. Wegen Rissen müssen sie jedoch teilweise auch erneuert werden. 
Bei der dritten Familie bestehen bereits alle Wände des neuen Hauses. Sie erhalten Unterstützung von uns/Euch für das Hausdach, einen Zementboden im Wohnbereich zwei Eingangstüren und ein Fenster. Die übrigen Fenster können sie zu einem spätern Zeitpunkt auf eigene Kosten machen. Die Familie hat 8 Kinder. Sie wohnen im Moment in einem kleinen Lehmhaus, das etwa die Grösse unseres Schweizer Schlafzimmers hat. Als der Tsunami kam rettete sich die ganze in ein wackelig aussehendes Baumhaus. Sie besitzen noch einige Kleider, ein paar Kochtöpfe und Teller und fünf Gartenstühle die sie uns zum sitzen anboten. Einer der Jungs ist in Windeseile auf eine Palme geklettert und hat für uns frische Kokosnüsse heruntergeholt. 
Es wären noch viele die nach Unterstützung nachfragen. Wir haben uns für den Zeitpunkt für die drei erwähnten Familien entschieden. Alle Arbeiter und Baumaterialien wurden heute schon von Dayrathne und Priante organisiert. Morgen früh müssen wir um 6 Uhr 30 auf der Baustelle sein damit die Arbeiten auf genommen werden können.

Montag 25.April 2005
Heute war bei uns Tagwache um halb sechs Uhr, denn um halb sieben mussten wir bereits zum Baustart des neuen Hauses anwesend sein. Pünktlich auf die Minute genau um sechs Uhr dreissig schlug Uli den ersten Holzstab fürs Baugespann ein. Dabei musste in Richtung Norden sehen, weg von der Sonne damit diese nicht zuviel Kraft auf das Haus ausübt. Das Land für das neue Haus war eine Spende von Priante's Mutter. Nachdem das Baugespann (Kokosnussfaser Schnüre) fertig war, wurde Uli gebeten den ersten Spatenstich in der Mitte des Hauses mit Blickrichtung Sonne genau um 7 Uhr 05 durchzuführen. Die übrigen Grabungen für das Fundament wurden von den Nachbarn des neuen Hausbesitzers durchgeführt. Sie arbeiten heute für ihren Nachbar gratis. Danach wurden uns, zuerst Uli danach mir Bittelnuss Blätter von Hausherrn überreicht, der sich danach mit einer Dankesgeste vor uns verneigte, danach verneigte sich auch seine Frau vor uns, die kleine Tochter kniete auf den Boden und berührte unsere Füsse. Diese Gesten werden auch Eltern für Respekt und Dankbarkeit gebracht. Danach wurde in ein speziell angefertigten Stein verschiedene Gewürze, Sand, Glücksbringer, Blumen und Goldstaub hineingelegt und das Gefäss mit Reis aufgefüllt. Der gefüllte Stein wurde auf einen Tisch neben der Baustelle gestellt dazu kam noch eine Öllampe. Anschliessend wurden an eine abgeschnittene Astgabel eines Brotfruchtbaumes Kokosnuss Blumen, Reis, verschiedene Gewürze und zwei Kokosnüsse gebunden. Der Brotfruchtbaum der Milchhaltig ist soll die Bewohner immer mit genügend Milch versorgen, Reiss und Gewürze stehen für genügend Essen in der Zukunft, die Kokosblume bedeutet das die Kraft des Buddha ins Haus einzieht, die zwei Kokosnüsse werden nachher gepflanzt so entstehen daraus zwei Kokospalmen die später die Menschen ernähren. Der Tisch wird mit Blumen und Reiss hergerichtet. Pünktlich um 7 Uhr 45 darf Uli das Öllicht entzünden ich gebe etwas Reis dazu. Anschliessen trägt Uli den Stein mit den Glücksachen in die Mitte des Fundaments, wo bereits eine Vertiefung dafür ausgehoben wurde, der Hausherr und seine Frau folgen ihm mit dem geschmückten Baumast. Mit Blickrichtung der Sonne entgegen, wurde Uli die Ehre zu teil den Stein mit samt Glücksbringer, auch wieder zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt, in die Mulde zu legen. Danach musste er eine Kelle mit frischem Pflaster auf der linken Seite des Gefässes anbringen, der Hausherr steckte seinen Ast auf der rechten Seite des Gefässes ein. Anschliessend wurde alles mit Steinen und Pflaster befestigt. Die Richtung Osten muss hier, auch wie schon beim Spatenstich eingehalten werden damit die Sonne Licht und Frieden ins Haus bringt. Danach wird ein kleines Öllämpchen auf dem Ast angebracht. Diese Öllampe beseitigt alle Bakterien die aus dem frisch aufgerissenen Boden herauskommen. Wenn das Öl verbrannt ist sind alle Bakterien verschwunden.
Zwischendurch gingen wir zur zweiten Familie. Sie haben damit begonnen, die

 niederzureissen und die stehen gebliebenen Mauern weiter aufzubauen. Der Hausherr arbeitet mit, er verdient im Gegensatz zu den Arbeitern kein Geld. Dies gilt für alle drei Hausherren denen wir helfen ihre Häuser wieder aufzubauen. Da wir hier nichts essen wollten wurde uns ein ganzer Strauch Königskokosnüsse zum trinken geschenkt.
Zurück bei der ersten Baustelle: hier sind inzwischen zirka 15 Arbeiter eingetroffen. Diese werden für sämtliche Arbeiten am Haus zuständig sein. Nun ist die Öllampe total ausgebrannt, Dayrathne entzündet Raucherstäbchen damit dieser Duft das gereinigte Haus durchströmt er bringt diese auch in die Mitte des neuen Hauses an. Bis sie heruntergebrannt sind gibt es Frühstück für alle. Tische, Stühle und Essgeschirr wurden von den umliegenden Nachbarhäuser zusammengesammelt. Angeboten wird Milchreis, Sambal (ein Gemisch aus getrocknetem Fisch und scharfen Gewürzen), Brot, Bananen und Süssigkeiten. Ein Teil der Esswaren stammt von den Hauseigentümern ein zweiter hat Lalani mitgebracht.
Um 9 Uhr 30 begeben wir zum dritten Haus. Es ist jene Familie mit 8 Kindern. Zur Begrüssung erhalten wir auch hier Bananen und Biskuits. 
Der Schreiner ist schon vor uns hier angekommen und bereitete das Holz für das Hausdach vor. Weil heute der beste Tag ist um mit einem Hausdach zu beginnen wird wenigstens der eine Sparren der vorhanden ist zugeschnitten und eingesetzt. Vor diesem Einsetzen wird aber auch erst ein Zeremoniell durchgeführt. Uli muss ein in ein weisses Tuch eingewickeltes Geldstück auf den Holzsparren binden und das genau an der Stelle die danach in einer Ecke des Hauses zu liegen kommt. Das Geld und der Sparren werden mit Räucherstäbchen beräuchert. Das Geldstück soll allzeit Glück und Reichtum ins Haus bringen. Danach ging die Mutter mit Räucherstäbchen ums ganze Haus und auch in jeden Raum um es zu segnen. Bei jedem Hauseigentümer fertigt Priante ein schriftliches Dokument an, das auch die Eigentümer Frage regelt.
10 Uhr 05 wir sind zurück bei der ersten Baustelle, die Arbeit geht nicht weiter weil alle auf das Baumaterial warten. Diese Zeit nützen wir für einige persönliche Gespräche. Hier erfahren wir auch das der Hauseigentümer Nandige heisst, seine Frau heisst Ranega, die Tochter Naodi und der kleine Sohn Adinte. Nandige erzählt uns das sein Vater beim Tsunami beim fischen ums Leben gekommen ist. Sein Körper wurde nie gefunden.
10 Uhr 20 zwei Einachser mit grossen Steinen sind angekommen, diese Steine werden im Fundament einzementiert. Um 10 Uhr 40 fahren wir mit dem Tuktuk zurück nach Hause. Am Nachmittag fuhren wir nochmals zu den Baustellen. Beim ersten Haus war das Fundament schon bald fertiggestellt. Beim zweiten waren die Maurerarbeiten auch schon recht gut fortgeschritten. 

Dienstag 26. April 2005
Heute fing der Tag wieder normal an. Zwischen 10 und 11 Uhr machten wir uns mit einem Tuktuk auf den Weg zu den Baustellen. 
Beim Neubau waren alle Fundamente fertiggestellt und die Arbeiter machten sich daran die Bodenplatte zu giessen. Alles auf den Baustellen ist Handarbeit. Bei dieser Hitze sind Arbeiten wie Betonmischen doch sehr anstrengend. 
Auf der zweiten Baustelle sind die Wände schon ziemlich fertig aufgebaut, um den ganzen Bau herum wurde ein Gerüst aus Bambus und Palmholz erstellt. Die SUVA würde bei solchen Gerüsten sicher Amok laufen.
Auf der dritten Baustelle sind die Schreiner mit dem Bau des Dachstuhles beschäftigt. Der grösste Balken der dafür verwendet wird musste bei einer Nacht und Nebelaktion aus den Landesinnern heute früh angeschafft werden. Denn solches Holz ist verboten vom Inland an die Küste zu verkaufen. So musste alles passieren solange noch keine Polizei unterwegs war. Auch bei diesem Dachstock ist alles Handarbeit. Jeder einzelne Balken muss zuerst mit einer schlechten Handsäge, Hammer und Stechbeutel zurecht geschnitten und eingepasst werden. Die einzige Maschine die wir sahen, war eine Bohrmaschine die auf nicht gerade alltägliche Art nur mit zwei losen Drähten an den Strom angeschlossen wurde. 
Dayrathne und Priante sind fleissig daran alles Material einzukaufen. Dabei schauen sie auch immer um einen günstigen Preis auszuhandeln. Im Moment wird aber sehr viel gebaut und alles Baumaterialienpreise sind gestiegen. Da vor allem sehr viele Touristen so wie wir für die betroffenen Menschen Häuser bauen kommt es natürlich dann manchmal zu aussergewöhnlichen Situationen. Gestern war Dayrathne gerade beim Preisverhandeln für Ziegelsteine in einem Geschäft und war daran den Preis von 30 Rupien auf 20 oder 25 Rupien runter zu handeln. Da kam ein Europäer rein und fragte nach dem Preis der Steine der Verkäufer sagte ihm 30 Rupien, darauf antwortete der Europäer dann nehme er gerade alle und Dayrathne musste zum nächsten Händler.

Mittwoch 27. April 05
Den Vormittag verbrachten wir in der Bank und im Internetshop. Der Geldtransfer vom Schweizerkonto auf ein neu eröffnetes Konto hier hat funktioniert. So können wir die offenen Rechnungen für das Baumaterial der drei Häuser bezahlen. In Zukunft werden wir unsere Mails über einen Internetshop senden müssen, mit unserem privaten Anschluss will es einfach nicht funktionieren. Um halb elf fuhren wir zu den Baustellen. 
Beim ersten Haus sind sie fleissig am Wände bauen. Die Männer arbeiten gut, sauber und achten darauf, damit alles korrekt ist. Der Hausbesitzer arbeitet fleissig mit. Er und seine Frau sind  glücklich und dankbar über die Entstehung des neuen Hauses und sehen wieder eine Perspektive für die Zukunft.
Nach dem gewaltigen Tropenregen vergangener Nacht erreichen wir die dritte Baustelle nur auf Umwegen. Die Naturstrassen stehen unter Wasser und sind für uns fast nicht begehbar. Inzwischen brennt die Sonne wieder vom Himmel und lässt uns einmal mehr den Schweiss in Bächen am Körper herunterlaufen. Auch auf dieser Baustelle kommen die Arbeiten gut, wenn auch etwas langsam voran. Die Dachkonstruktion wird aus Palmenholz gemacht. Es ist ein sehr hartes Holz und da es keine elektrischen Maschinen gibt, müssen alle Arbeiten mit einer kleinen Handsäge durchgeführt werden. Eine unglaublich mühsame Arbeit!  Die halbe Dachkonstruktion ist fertig. In ca. vier Tagen soll der Dachbau beendet sein. Das ist auch gut so, denn hier beginnt die Monsunzeit. Die Türen und Fenster werden anschliessend gemacht. Für die acht Kinder hat nach einigen Ferientagen die Schule wieder begonnen. So ist es hier bis zu ihrem Nachhausekommen am frühen Nachmittag recht ruhig. Nach und nach treffen alle ein und ziehen sich erst einmal um. 
In Sri Lanka sind Schuluniformen obligatorisch. Ohne sie werden die Kinder nicht zum Unterricht gelassen. Die Mädchen tragen weisse Kleider, weisse Strümpfe und Schuhe. Die Knaben in den höheren Klassen sind ebenfalls in weiss gekleidet. Die kleineren Jungs müssen kurze blaue Hosen, ein weisses Hemd, Strümpfe und Schuhe tragen. Wenn das Geld kaum zum Leben reicht, sind dies teure Anschaffungen und dementsprechend müssen die Kinder auch Sorge dazu tragen.
Die Haushaltungen ausserhalb von Hikkaduwa besitzen meistens kein fliessendes Trinkwasser im oder um das Haus. Es untersteht der Zuständigkeit der Frauen und Mädchen, für frisches Trinkwasser zu sorgen. In grossen Plastikbehältern wird es von nahen Grundwasserbrunnen geholt.
Dayrathne, Priante und Uli machen sich am Nachmittag auf den Weg, um Baumaterial für die Dächer einzukaufen. In einem Laden werden 95 Platten Welleternit eingekauft, dazu kommen für die First noch Ziegelabschlüsse. Viele Dächer werden hier in Sri Lanka mit roten Dachziegeln gedeckt, da aber Welleternit günstiger und sicher nicht schlechter ist als Ziegel, haben wir uns für dieses entschieden. Diese 95 Platten werden anschliessend auf einen kleinen Laster geladen. Die Befürchtung, dass durch diese grosse Last auf einmal die Reifen die überhaupt kein Profil mehr aufweisen platzen könnten, war sicher nicht von der Hand zu weisen. Er kam dann auch dreimal bei den Hauszufahrten auf glitschigem Untergrund ins schleudern und musste mit schieben daraus befreit werden.

Donnerstag 28. April 2005
Am Morgen ging’s zuerst zum Shopping. Morgen werden wir einem Altersheim in der Nähe von Hikkaduwa einen Besuch abstatten. In einem Altersheim leben nur Menschen, die keine Angehörigen mehr haben. Normalerweise sind die Kinder verpflichtet, für die alten Eltern zu sorgen. Da die sozialen Strukturen in Sri Lanka verschieden sind gegenüber denen in der Schweiz, ist so eine Institution in allen Belangen auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen. So werden von Privaten Leuten Essensspenden gebracht. Damit die Menschen im Heim regelmässig Mahlzeiten erhalten wird in einer Agenda eingetragen, wer wann mit einer Essenslieferung an der Reihe ist. Tradition ist, dass bei einem Jahrestag einer solchen Institution gedacht wird. Letzte Woche besuchten wir das Heim und liessen uns in die Liste eintragen.  Nun werden wir für das Nachtessen Morgenabend verantwortlich sein. Im Heim leben 25 alte Menschen und eine 7- köpfige Familie. Der Vater ist vom Staat als Hausmeister angestellt, seine Frau und ihre Schwägerin sind für die Ordnung und die Wäsche zuständig. Das Kochen für morgen Abend wird Lalani übernehmen, da unsere Schweizerküche wohl nicht recht munden würde.
Danach besuchten wir erst den Internet Shop um Emails zu schreiben und die Homepage auf dem neusten Stand zu halten. Um ca. 11 Uhr fuhren wir mit einem Tuktuk auf die Baustellen. Da in der Umgebung sehr viel gebaut wird, traten Probleme bei der Sandbeschaffung auf. Schlussendlich konnte aber ein Lieferant im Landesinnern gefunden werden. Auf allen drei Baustellen gehen die Arbeiten gut voran. Wir haben wirklich grosses Glück dass wir gute und zuverlässige Arbeiter finden konnten. Ein Tourist der einer anderen Familie ein Haus baut, fragte bereits nach, ob er unsere Arbeiter haben könnte. Diese Familie war auch in unserer Projekt Auswahl, wir konnten sie aber leider nicht berücksichtigen. Wir waren jedoch sehr glücklich als wir hörten, dass jemand anders ihnen hilft. 
Bei unserer ersten Baustelle sind die Wände schon weit oben, die Familie ist sehr glücklich und alle strahlen in die Welt hinaus, dass es eine Freude ist. 
Beim zweiten Haus sind die Wände fast fertiggestellt. Nun kann mit den Innenarbeiten begonnen werden. Das Dach wird erst erstellt, sobald unsere Schreiner auf der dritten Baustelle fertig sind. Auch die Schreiner leisten ganze Arbeit. 
Der Dachstuhl im dritten Haus ist auch schon bald fertig. Bei 34 Grad Wärme und einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit ist auch der heutige Tag eine grosse Belastung jeder einzelnen Schweisszelle unseres Körpers.

Freitag 29. April 2005
Auf den drei Baustellen geht die Arbeit zügig voran. 
Beim Neubau wurde ein Betonkranz oberhalb der Türen und Fenster gegossen, um Stabilität zu erhalten. Neben dem Haus wurde mit dem Bau der Toilette begonnen. 
Beim zweiten Haus sind die Mauern fertiggestellt. Heute wurden die Türzargen eingebaut und der Boden betoniert. 
Im dritten Haus geht die Dachkonstruktion bald dem Ende entgegen. Da diese Familie keine Toilette besitzt und ihre Geschäfte immer im umliegenden Busch erledigen muss, beschlossen wir, schon nur aus hygienischen Gründen zusätzlich noch eine Toilette zu bauen. 
Am Abend bekamen wir noch eine Anfrage von unsern Bekannten im Restaurant. Eine verwandte Familie von ihnen mit drei Kindern und Grosseltern muss seit der Katastrophe in einem Zelt wohnen. Leider müssen wir hier absagen, denn uns fehlen etwa 2000.- Fr um auch dieser Familie ein neues Zuhause aufzubauen. Ein neues Haus wie wir es für die erste Familie bauen inkl. Aussen- Toilette kostet etwa 7000.- Fr. Neben der Variante eines Mauerhauses gibt es natürlich auch die eines Holzhauses. Wir haben uns für den Mauerbau entschieden, denn ein Holzhaus ist nur eine Notvariante. Länger als 2 bis 5 Jahre kann/wird ein Holzhaus in den Tropen nicht bestehen. Jedoch spätestens nach 2-3 Jahren werden alle Hilfswerke aus dem Land sein und die Leute mit den erstellten Nothäusern stehen wieder vor demselben Problem, dass sie kein Dach über dem Kopf haben.
Unser geplanter Besuch im Altersheim gestaltete sich zu einer ganzen Tagesbeschäftigung. Am Donnerstag waren wir einkaufen. Wir rechneten mit einem Essenseinkauf für die 25 Bewohner des Altersheims. Lalani kaufte jedoch für 50 Personen ein und erzählte uns von einer anschliessenden Party in ihrem Haus. Da wir die Traditionen hier nicht kennen erhoben wir keinen Einwand. Als Geschenk für die Bewohner kauften wir ein Radio Tonband Gerät, damit die alten Leute die Gebete der Mönche ab Tonbandkassette hören können. Der Tempel ist für sie zu weit entfernt um dort beten zu können. Lalani und vier ihrer Nachbarinnen begannen bereits am spätern Vormittag mit kochen. Gekocht wird hier im Freien auf Holzfeuern. In der Küche im Haus (sofern eine vorhanden ist) wird nur gerüstet und wenn es einen Wasseranschluss gibt eventuell noch Geschirr gespült. Am Nachmittag wurde noch ein Koch zur Mithilfe beigezogen. Gekocht wurde Suppe, Reis, Nudeln, Brotfrucht, Fisch, Linsen, Poulet und Gemüse. Pfeffer, Curry und Paprika werden hier nicht in Prisen oder Kaffeelöffel, sondern in Handmengen gemessen. Wir werden meistens gewarnt wenn ein Gericht zu scharf gewürzt ist. Gegen fünf Uhr wurde zirka die hälfte der Esswaren in Plastikbehälter gefüllt. Nach und nach trafen immer mehr Menschen in Lalanis Haus ein. Zu Schluss waren an die 20 Personen, vier VW Busse und 2 Tuktuks da, die uns ins Altersheim begleiten wollten. Wir erhielten die Information das die Fahrer kein Geld für den Transport verlangen und die Frauen gratis beim Kochen helfen. Dafür gibt es am Abend eine Party für alle. Die Fahrt zum Alterheim dauerte gut 30 Minuten. Nach einer kurzen Begrüssung wurden wir in den Gebetsraum geholt. Der neue Radio wurde mit einem Gebet eingeweiht. Im Gebetsraum gibt es keine Stühle, alle setzen sich auf den Boden. Das Gebet ein eintöniger Singsang dauerte über eine halbe Stunde. Immer wenn wir dachten nun sei wirklich Schluss, begann das ganze wieder von vorne.
Das Alterheim besteht aus fünf Räumen. Zwei Schlafsäle, ein Essraum, ein Gebetsraum und einer kleinen Küche. Der Frauen und Männer Schlafraum ist durch eine etwa 2m hohe Mauer getrennt. Jeder Bewohner besitzt ein Bett ein Nachttisch und ein Moskitonetz. WC und Waschgelegenheit befindet sich draussen an das Haus angebaut. Haus und Nasszellen sind sauber und aufgeräumt. Betreut werden die alten Menschen von einem Abwartehepaar und zwei Krankenschwestern.
Die Tische waren bereits mit Plastiktellern gedeckt. Da man in Sri Lanka von Hand isst benötigt es kein Essbesteck. Das mitgebrachte Essen wurde an die Bewohner verteilt. Unsere Begleitpersonen verteilten während dem Essen kleine Geschenke wie Seifen, Bananen und Süssigkeiten an die Bewohner. Da verstanden wir, weshalb wir von so vielen Leuten begleitet wurden. Der Buddhismus schreibt vor das die Menschen gute Taten vollbringen müssen. Da ein Nachtessen und Geschenke die finanziellen Möglichkeiten für eine Familie übersteigt, wird so eine Gabe von verschiedenen Familien getragen. Jeder steuert sein Möglichstes bei. Einer fährt gratis, andere spenden Lebensmittel, kochen gratis oder spenden kleine Geschenke. Am Abend setzen sich die Leute zusammen und feiern gemeinsam ihre gute Tat. Wir waren bei dieser Feier nicht dabei weil wir zu einer Abschiedesparty einer Finnin eingeladen waren. Sie war hier um abzuklären wie die staatlichen Hilfsmittel verwendet werden. Leider wird ihre Recherche nicht positiv ausfallen, weil viele Gelder einfach irgendwo versickert sind  ohne die Hilfsbedürftigen zu erreichen.

Samstag 30.April 2005
Aus der Schweiz brachten wir für insgesamt 30 Kinder Schulmaterial mit. Pro Kind eine Schultasche mit einem gefüllten Etui, Massstäbe, eine Schachtel Filzstifte, eine Schachtel Farbstifte und einem Schreibheft. Um 12 Uhr wurden wir von einem VW Bus abgeholt um die Schulsachen bei einer Schule in der Umgebung unserer 3 Baustellen zu verteilen. Priante informierte im voraus Familien mit Kindern die Schulmaterial dringend benötigen. Bei unserer Ankunft waren zirka 100 Kinder anwesend. Priante sagte uns, dass sie bereits seit 9 Uhr warten und in einer Reihe anstehen. Um jedem Kind etwas mitgeben zu können, nahmen wir die Farben Etuis usw. aus den Schultaschen und verteilten sie neu in Plastiksäcke. So gab es pro Kind entweder eine Schultasche, ein Etui, eine Farbschachtel oder Bleistifte mit Lineal und Filzschreibern. Zu Beginn verlief alles der Reihe nach. Wären aber nicht Priante und der Besitzer des ersten Hauses gewesen, wir hätten keine Chance gehabt Ordnung und Überblick zu behalten. In der Reihe stand auch eine zirka 75 jährige Frau, die uns um eine Schultasche für ihren Sohn bat, dieser besuche heute den Schulunterricht und könne leider nicht selber kommen, ihren Wunsch konnten wir nicht erfüllen. Als Trost schenkten wir ihr einen Kugelschreiber . Dank dem das wir alles aufgeteilt haben, konnte jedes Kind mit einem Geschenk nach Hause gehen. Viele der Kinder kamen und bedankten sich für ihr Geschenk. Nach dieser Aktion haben wir uns vorgestellt, wie es wohl bei einer Essensverteilung zugeht wenn die Leute hungern. In so einem Moment hätte man ohne Polizeischutz keine Chance.
Anschliessend besuchten wir noch alle drei Baustellen. 
Auf der ersten Baustelle sind die Wände fast fertiggestellt, obwohl die meisten der Maurer im Moment auf der dritten Baustelle beschäftigt sind. 
Auf der zweiten Baustelle war heute Ruhetag, das ist auch gut so, denn bevor mit der Dachkonstruktion angefangen werden kann, sollte der Bau noch ein bisschen austrocknen. 
Auf Baustelle drei wurden schon fleissig die ersten Eternitplatten angebracht und die Bodenplatten gegossen. Da der Buddhismus keinen Ruhetag vorschreibt wird die Arbeit auch am Wochenende ohne Unterbruch fortgesetzt. Banken, Schulen und andere staatliche Institutionen sind jedoch Samstag und Sonntag geschlossen.

Sonntag 1. Mai 2005
Heute ist Sonntag. Auf den Baustellen sind nicht alle Arbeiter erschienen. Der 1. Mai wird auch hier als Tag der Arbeit gefeiert. Doch die Arbeit geht auf zwei der drei Baustellen voran. 
Auf der ersten und zweiten Baustelle wurde mit dem Dachstuhl begonnen. Im zweiten Haus macht sich der Eigentümer daran, auch die Fensterrahmen zu setzen. Um die Fenster genau im Lot zu montieren, wird statt einer Wasserwaage, ein mit Wasser gefüllter Schlauch verwendet. Da niemand eine Wasserwaage besitzt wird diese Methode bei allen Arbeiten angewandt. Auch wurde mit dem Bau der Toilette begonnen. 
Beim dritten Haus ist das Dach nun fertig. Da der Dachbauer nicht auf der ersten und zweiten Baustelle zur gleichen Zeit arbeiten kann, wurden für das erste Haus andere Schreiner eingestellt.
Wir sind froh um die Mitarbeit von Dayrathne und Priante. Sie kennen das Land, die Leute und die Preise. Sie wissen, was wo am besten zum einkaufen ist und können im Gegensatz zu uns die Preise gut herunterhandeln.
Dayrathne spornt die Arbeiter zu guten Leistungen an. Er sagt, dass der Srilankische Arbeitseinsatz im Gegensatz zum Europäischen zu wünschen übrig lasse. Nun, bei dieser Hitze würden wir das Arbeitstempo auch verlangsamen. Aber es ist schon so, man sieht viele Häuser, die nur zur Hälfte gebaut sind. Einigen Bauherren fehlt sicher das restliche Geld dazu, den anderen bestimmt aber auch die nötige Energie und die Arbeitsmoral.
Dayrathne zählt auf den drei Baustellen täglich das Baumaterial, das noch nicht verarbeitet wurde. Es komme öfters vor, dass die Bauherren Steine oder Zementsäcke verkaufen um für das erstandene Geld Alkohol zu kaufen. Dies kann Dayrathne mit der täglichen Kontrolle verhindern.
Oft wird die Gutgläubigkeit der Helfer auch ausgenützt. So hat eine lokale Familie das Geld für einen Hausbau bar auf die Hand erhalten. Anstatt ein Haus zu bauen, wurde das Geld für Alkohol und Drogen ausgegeben. Die Leute wohnen immer noch in ihrer alten Lehmhütte.
Von Deutschen haben wir gehört, dass ihre Gutgläubigkeit und Unachtsamkeit viel Geld gekostet hat. Eine Familie, die früher immer in einer Lehmhütte wohnte die nun vom Tsunami zerstört wurde, hat sich mit Tricks auf Kosten der Deutschen ein schönes, grosses Haus bauen lassen.
Wir begegnen auch viel mehr Bettlern als vor zwei Jahren. Meistens sind es ältere Menschen. Wenn sie so dastehen und uns mit ihren grossen dunklen Augen bittend ansehen, mit einer Hand über den hungrigen Magen streichen und die andere für eine Gabe hinhalten, ist es für uns unmöglich nichts zu geben.
Der Weg ins Dorf führt uns immer an einer kleinen Holzhütte vorbei. Darin wohnt und arbeitet ein taubstummer Mann. Vor einigen Jahren ist seine ebenfalls taubstumme Frau von einem Zug erfasst und getötet worden. Der Mann fertigt in Handarbeit kleine Segelschiffe an. Früher konnte er sie am Strand verkaufen. Jetzt sind keine Touristen mehr da, die seine Schiffe kaufen und somit sein Überleben sichern. Auch ihn unterstützen wir ab und zu mit etwas Geld, damit er sich Esswaren und Arbeitsmaterial besorgen kann.

Montag 2. Mai 2005

Nach einer heissen, schwülen Nacht kühlte es gegen Morgen langsam ab. Nach unserem sich täglich wiederholendem Morgenritual (Duschen, Frühstücken, Internetshop) fuhren wir zu den drei Baustellen. Wir versuchen immer denselben Tuktuk Fahrer zu erhalten. Er jung, hübsch, sein Tuktuk ist sauber und neu, er ist ein vorsichtiger Fahrer und er weiss inzwischen wohin die Fahrt geht. Dazu kommt, dass wir bei ihm nicht immer den Fahrpreis aushandeln müssen. 
Auf der ersten Baustelle sind die Dachdecker schon mit dem montieren der Eternitplatten  beschäftigt. Die Arbeit geht gut voran, leider kann heute nicht das ganze Dach fertiggestellt werden, weil für den oberen Teil kürzere Platten bestellt wurden. Diese werden erst heute Abend oder morgen früh geliefert. 
Auf der zweiten Baustelle sind Fenster und Türzargen gesetzt und bis am Abend wird auch das Dach fertig erstellt sein. 
Auf der dritten Baustelle sind die Maurer mit dem Bodenüberzug beschäftigt. Auf den Überzug kommt eine farbige Zementschicht aufgetragen, dies ersetzt jeden Teppich oder Bodenbelag. Am Nachmittag fängt es an heftig zu regnen was alle Arbeiten für etwa eine Stunde zum Stillstand bring.
Jeder Hauseigentümer besitzt um das Haus herum einige Kokospalmen. Bei jedem Besuch, dass heisst mindestens dreimal täglich klettert einer auf eine Palme und wirft Trinkkokosnüsse für uns herunter. Am schnellsten oben und wieder herunter sind die kleinen Jungs. Man sollte meinen, sie seien auf den Palmen aufgewachsen so schnell und flink klettern sie hoch. Von Dayrathne haben wir heute erfahren, dass es verschiedene Sorten von Kokosnüssen gibt. Die einen nennen sie Königskokosnüsse. Sie haben eine gelbbraune Farbe. Die Flüssigkeit der Königskokosnuss kann man, wenn sie noch jung ist trinken. Der Geschmack ist gut und erfrischend. Das Fruchtfleisch ist noch sehr dünnwandig und etwas schleimig, man kann es jedoch essen. Ist die Nuss ausgereift wird das Wasser ungeniessbar, das Fruchtfleisch dafür härter und dicker. Es wird dann zum kochen geraspelt. Dann gibt es die Goldkokosnüsse. Sie wachsen nur an gewissen Orten. Sie sind gross und grün. Sie haben mehr Trinkflüssigkeit als andere Nüsse. Der Geschmack ist leicht süsslich und herrlich erfrischend. Teilt man eine Nuss in zwei hälften sieht man auf der Innenschicht eine rosarote Färbung. Daran erkennt man die Echtheit einer Goldkokosnuss. Aus dem Fleisch der etwas ältern Nuss wird Öl für die Lampen in den Tempeln gemacht. Der Preis einer Goldkokosnuss ist etwa doppelt so hoch wie der einer normalen, zirka 50 Rupien. Die dritte Nuss die wir inzwischen kennen ist im Trinkgeschmack ähnlich wie die anderen. Nur das diese Nuss etwa die hälfte der Flüssigkeitsmenge hat wie die andern.  Nach dem Genuss von drei Kokosnüssen benötigen wir jeweils kein Mittagessen mehr. Wir haben es uns inzwischen abgewöhnt Trinkwasser mitzuschleppen, da uns die Kokosnüsse besser schmecken.

Dienstag 3. Mai 2005
Heute Morgen haben wir zusammen mit Sanjeewa ein mögliches Projekt begutachtet. Eigentlich wollten wir ein bis zwei Geschäftslokale ausbessern um den Leuten eine finanzielle Startmöglichkeit zu geben. Dayrathne sagte uns jedoch die Menschen benötigen vorerst ein neues Zuhause. Nach einigen Kalkulationen können wir das Geld für ein kleines Haus noch aufbringen. Auf den drei Baustellen hat es noch bereits bezahltes Restmaterial das wir dazu zusätzlich verwenden können. Im Gebiet das Sanjeewa uns zeigte hat die Flutwelle sehr grossen Schaden angerichtet. Die meisten Häuser sind weggeschwemmt und es gibt eine ganze Siedlung in der die Menschen unter provisorisch erstellten Blechdächer mit Plastikplanen als Hauswände wohnen. Die Familie die Sanjeewa uns empfahl besass vor der Welle ein recht grosses Haus. Nun ist alles dem Erdboden gleichgemacht. Der Mann war Fischer aber auch sein Boot ist zerschlagen. Wir besahen uns die Schäden, die Umgebung und unterhielten uns lange mit den Menschen. Die ganze Umgebung sieht noch heute aus als hätte eine Bombe eingeschlagen. Seit dem 26. Dezember wurde hier fast nichts weg oder aufgeräumt. Noch brauchbare Kleider, Fischernetze, Geschirr, Bachsteine, Holz usw. liegt auf einem Haufen und hängt in den Palmen. Wir fragten weshalb hier nicht aufgeräumt und Baumaterialien für einen möglichen Wiederaufbau aussortiert worden sind. Der mögliche Bauherr sagte, dass er bis jetzt keine „Mumm“ zum Aufräumen hatte. Dies war für uns der Grund, weshalb wir dieses Projekt ablehnten. Wir wollen nicht Leute unterstützen, die seit 4 Monaten keinen Finger für ihre Zukunft rühren und nur darauf warten, dass jemand kommt um ein neues Haus zu bauen und möglichst noch den Dreck wegräumt. Auch wenn die Zeiten hier nicht einfach sind sollte es doch auch im Interesse der Betroffenen sein für sich und ihre Kinder eine neue Zukunft zu erarbeiten. Morgen werden wir im Gebiet wo wir bereits bauen ein neues Projekt bestimmen.
Auch heute ging auf allen drei Baustellen alles rassig voran. 
Auf der ersten Baustelle wurde das Dach fertiggestellt und das Toilettenhäuschen aufgemauert. 
Auf Baustelle Nummer zwei wurden die Aussenwände verputzt. Erfreulich ist zu sehen, mit wie viel Freude und Energie die Eigentümer der ersten zwei Häuser täglich mitarbeiten. 
Im dritten Haus leistet der älteste Sohn gute Arbeit. Die Böden sind dort fertiggestellt sowie das Toilettenhäuschen hochgemauert. Da überall das Grundwasser nur etwa ½  Meter unter der Erde ist, gibt es Probleme mit dem erstellen der Sickergrube für die Toiletten. Denn bereits nach ½ m Aushub stösst man auf den früheren Ozeanboden, dieser enthält sehr viel hartes Korallengestein. Dies erschwert das Graben  in die Tiefe. Zwei Röhren im Durchmesser von ca. 1 m werden in eine kleine Grube gestellt. Danach wird in der Röhre das Erdmaterial herausgenommen und so versinken diese langsam im Boden.

Mittwoch 4. Mai 2005

Gestern Abend erlebten wir kaum vorstellbare Regengüsse. Eine Stunde lang regnete es wie aus Eimern.  Es wäre unmöglich gewesen das Haus zu verlassen. Binnen kurzer Zeit stand alles unter Wasser. Danach regnete es bis heute Nachmittag normal weiter. Wo immer es Wasser gibt, versammeln und vermehren sich die Mücken in grossen Mengen. Zum Teil sind sie recht gross und stechen uns durch alle Kleider. Irgendwo gab es wegen dem vielen Regen einen Landrutsch, der einen Strommasten mit sich riss und so einen Stromunterbruch von 10 Uhr Abends bis heute Nachmittag auslöste. Zum Glück brachte das schlechte Wetter auch eine Abkühlung mit sich, so konnten wir auch ohne den kühlenden elektrisch betriebenen Ventilator schlafen.
Um neun Uhr morgens wurden wir von Tuktuk abgeholt und zu Priantes Haus gefahren. Dort wurden wir bereits von Dayrathne und dem Inhaber des Baugeschäftes erwartet.
Priante lebt mit seiner Frau, den beiden Töchtern und seiner Grossmutter in einem einfachen Haus. Er besitzt in seinem Garten den einzigen Anschluss an die Trinkwasserversorgung der Umgebung. Zirka 38 Familien holen täglich das Trinkwasser kostenlos bei ihm. Priantes Familie bezahlt monatlich etwa 40 Franken für das ganze Trinkwasser, für viele Menschen hier ist dies ein ganzer Monatslohn. Die meisten Häuser besitzen eigene Brunnen oder Wasserlöcher. Bis vor dem Tsunami war das Wasser gut und auch trinkbar. Die Flut verunreinigte die Brunnen und das Grundwasser jedoch mit Salzwasser. Auch nach 5 bis 6 maligem Auspumpen bleibt das Wasser ungeniessbar und kann nur noch zum Duschen, Kleiderwaschen und Putzen genutzt werden.
Priante musste als Soldat im Bürgerkrieg mitkämpfen, bis er von gegnerischem Feuer getroffen wurde. Seither trägt er ein Hörgerät und hat Mühe mit der Atmung. Vom Staat erhält er eine kleine monatliche Rente.
Das Ziel unserer Zusammenkunft heute morgen war der Besuch bei 6 Familien die eventuell Unterstützung benötigen. Beim ersten besuchten Haus hat die Wasserflut eine Hausmauer weggespült. Die Hausbesitzer haben die noch brauchbaren Steine gereinigt und ordentlich aufgeschichtet. Sie bräuchten für die Hausreparatur 3 bis 4 Säcke Zement. Auf Nachfrage von Dayrathne sagte der Hausbesitzer, das er pro Abend zirka 100 Rupien für Alkohol ausgibt. Dayrathne erklärte ihm, dass er in Zukunft den Alkohol lassen soll und er  sich so innerhalb kürzester Zeit den nötigen Zement selber kaufen kann.
Der zweiten Familie hat die Flutwelle alles weggenommen. Sie leben jetzt in einem kleinen provisorisch erbauten Holzhaus, bestehend aus einem Raum mit einem Dach aus Plastikplanen. Solche Häuser wurden kurz nach der Flut von verschiedenen Hilfsorganisationen erstellt. Eigentlich sind es nur zusammen gezimmerte, unbehandelte, ungeschliffene, dünnwandige Holzbretter. Durch die Sonne den Regen und die hohe Luftfeuchtigkeit sind die Bretter inzwischen verzogen und für Insekten und Regen durchlässig. Nach der Monsunzeit ist ein solches Haus wohl kaum noch zu bewohnen.
Um das dritte Haus zu begutachten mussten wir weiter in den Busch hinein. Die Naturstrassen sind nach dem vielen Regen kaum noch befahrbar. Hier stellte eine junge Frau mit einem kleinen Kind die Bitte um Unterstützung. Ihr Mann war dem Tsunami zum Opfer gefallen. Das Haus hat keinen eigentlichen Schaden erlitten. Es war vor der Flutwelle soweit fertiggebaut, dass nur noch Türen, Fenster  und Zementböden fehlen. Das Haus ist so gross, es könnte an die 20 Personen beherbergen. Wir fragten nach den nächststehenden Angehörigen und ihrem Wohnort. Ihr Mutter wohnt in der Nähe in einem eben so grossen Haus. Der jungen Frau können und wollen wir nicht helfen da sie Problemlos bei ihrer Mutter wohnen kann. In Grossfamilien zu leben gehört auch zur Kultur in Sri Lanka.
Die vierte Familie ist nur zu Fuss durch Gestrüpp und Schlamm zu erreichen. Hier lebt eine Familie mit vier Kindern in unsäglich ärmlichen Verhältnissen. Ein winzig kleines Haus aus allen möglichen Materialien zusammengebaut beherbergt die ganze Familie. Ihnen hat der Tsunami das Lehmhaus weggespült. Von einer Hilfsorganisation erhielten sie einen Unterstand mit einem Blechdach, im selben Stil wie die erste Familie der wir ein Haus bauen. Zu unserm Leidwesen mussten wir auch hier nein zu einem Hausbau sagen. Die Landverhältnisse sind nicht geklärt. Der Boden ist nicht Eigentum der Familie. Wenn wir hier ein Haus bauen würden, wären die Landbesitzer im Stande die Familie wegzuschicken und das Haus für sich zu beanspruchen. Um Boden zu kaufen haben wir weder Geld noch Zeit, so ein Bodenkauf kann sich über viele Monate hinweg verzögern.
Der fünfte Ort den wir besuchen betrifft eine Grossfamilie. Sie besassen vor dem Tsunami drei Lehmhütten. Nun leben auch sie in provisorisch zusammengebastelten Hütten. Auch sie erhielten von einer Organisation wie schon beschriebene Provisorien mit Blechdächern.
Beim sechsten Besuch trafen wir auf eine alte Frau die uns ihr Leid über ihr weggeschwemmtes Lehmhaus klagte. Sie hätte gerne das wir den vor Jahren begonnenen Bau eines Hauses zu Ende führen würde. Die Familie lebt seid der Katastrophe nicht mehr an diesem Ort. Da sie ein Zuhause gefunden haben schliessen wir sie aus unserem Vorhaben aus. Nach den sechs Besuchen hatten wir vorerst einmal genug. Es ist beelendend so viele Schicksale und Armut zu sehen. In Priantes Haus bei einem Tee trafen wir die Entscheidung, die zweite Familie (mit dem Holzhaus) mit einem Hausbau zu unterstützen. Die erste, dritte, vierte und sechste Familie schied zum Voraus weg. Die fünfte Familie haben wir ausgeschlossen weil ihre Schwester ein grosses Haus direkt über die Strasse mietet, das vorläufig Platz für alle bietet. Zudem ist da eine Grossfamilie zusammen die sich gegenseitig stützen kann.
Nach diesem Entschluss besuchten wir unsere erste Baustelle. Hier wurden die Tür und Fenster Rahmen gesetzt.  
Im zweiten und dritten Haus konnte heute wegen Regen nicht gearbeitet werden.

Donnerstag 5. Mai 2005
Heute zeigt sich das Wetter von der schönen Seite und dadurch kann auf unsern drei Baustellen wieder fleissig gearbeitet werden. Obwohl die Wege nach dem vielen Regen fast nicht mehr begehbar sind. 
Im ersten Haus wurden die Innenwände verputzt
Im Haus zwei konnten die Aussenwände nun fertig verputzt werden. Hier wurden die Arbeiter ausgewechselt weil die Arbeitsleistung zu wünschen übrig liess. 
Im dritten Haus waren die Schreiner tätig. Sie passten Türen und Fenster in die eingepflasterten Holzrahmen ein. Nun müssen diese noch mit einer speziellen Farbe lackiert werden.
Nach dem Rundgang auf den drei Baustellen, versuchten und nicht verstandenen Gesprächen, Tee und Kokosnuss Getränken machten wir uns auf den Weg zur neuen Baustelle. 
Da wo das Holzhaus steht, soll das neue Haus gebaut werden. Wir fragten uns, wo die Familie die nächsten drei Wochen leben soll. Für Dayrathne war dies kein Problem. Das Holzhaus soll abgebaut und etwas weiter hinten wieder aufgestellt werden. Er ist überzeugt, dass diese Arbeit in zwei Stunden durchgeführt werden kann. Wir bekundeten unsere Zweifel über das Gelingen dieses Vorhabens. Dayrathne und Uli wetteten um einen Whisky. Um 12 Uhr ging die Arbeit los. Zuerst  muss der neue Standplatz für das Holzhaus gerodet werden. Wir nutzten diese Zeit, um in der Sunset Bar eine Kleinigkeit zu Essen und vor allem das saubere europäische WC aufzusuchen. Im Busch habe ich immer Schwierigkeiten auf die Toilette zu gehen. Erstens gibt es keine und zweitens sind im Busch überall Menschen anzutreffen, so das ich kein stilles Örtchen finden kann. Als wir zurück auf die Baustelle kamen war das ganze Holzhäuschen in Einzelteile zerlegt. Auf dem Fundament stand nur noch der Hausrat. Für uns war immer noch unklar, wie die Männer aus den Holzteilen wieder einen einigermassen brauchbaren Wohnort für die Familie erstellen wollten. Zuerst wurden vier Holzstangen in einem Quadrat von zirka 3 x 3 m in vorbereitet Löcher gesteckt. Um kleinere Löcher auszugraben werden hier halbe Kokosnussschalen als Werkzeug verwendet. Die Löcher mit den Holzstangen wurden mit Erde aufgefüllt und mit Holzstäben eingestampft. Das Dachgerüst besteht aus zusammen gebundenen Holzstecken. Um die daraufgelegten Bretter zu befestigen mussten die Nägel vom alten Holzhaus zuerst wieder gerade geschlagen werden. Über das Hausdach und um die Hauswände wurden Plastikplanen gebunden und mit Kokosnuss Schnüren befestigt. Fenster gibt es im neuen Häuschen keine dafür aber eine Haustüre. Das provisorische Häuschen ist nicht gedacht um darin zu schlafen. Die Nächte kann die Familie vorläufig bei Verwandten verbringen. Heute Abend wird zweimal mit Whisky angestossen. Den einen bezahlt Uli weil tatsächlich so etwas wie ein Häuschen steht. Den zweiten übernimmt Dayrathne weil das Häuschen nicht zum wohnen geeignet ist. Später dient es jedoch als Küche. Da das vorhandene Hausfundament unbrauchbar ist, wurde es am Abend noch weggeräumt. Priante und Dayrathne organisierten noch das nötige Baumaterial um morgen früh mit dem neuen Fundament zu beginnen. Der neue Hausbesitzer war am Nachmittag noch bei den Mönchen um die beste Zeit für die verschiedenen Bauetappen zu erfahren.

Freitag 6. Mai 05
Heute ist der Baubeginn des neuen Hauses. Für uns war Tagwache um 5.30 Uhr angesagt. Das einzig gute an der kalten Dusche so früh am Morgen ist, dass man dadurch wach wird. Daminde unser Tuktuk Fahrer holte uns pünktlich um 6.30 Uhr ab. Heute waren wir nebst Priante und der neuen Hausbesitzerfamilie die ersten auf der Baustelle. Die Familie ist ein junges Ehepaar mit einem entzückenden Töchterchen. Roschan der Vater, Anuscha die Mutter und Tarusi die kleine Tochter.  Vor dem Tsunami wohnten sie gemeinsam mit den Eltern und Geschwistern des Ehemannes etwa 3 km entfernt in einem Haus. Die Flutwelle hat ihnen nicht nur Haus und Gut genommen, die Frau des Bruders ist auch gestorben. Diesen Bauplatz hier erhielten sie von der Grossmutter der Ehefrau. Ich kann mir gut vorstellen, dass später die ganze Familie hierher zieht. 
Das Fundament des abgerissenen Holzhauses wurde gestern Abend nicht mehr weggeräumt. Bis um 7.00 Uhr waren alle Arbeiter, Nachbarn und Familienangehörigen anwesend. Die Nachbarn arbeiten heute auch hier gratis. Pünktlich um 7.06 wurden die ersten zwei Holzstäbe für das Baugespann vom Bauführer auf der einen und Uli auf der andern Seite in den Boden geschlagen und mit einer Schnur gemeinsam verbunden.  Anschliessend wurde das Baugespann für das Fundament vom Bauführer persönlich vermessen, abgesteckt und mit Schnüren verbunden. Die dazu nötigen Holzstecken werden übrigens fortlaufend mit einem Buschmesser auf die richtige Länge zugeschnitten. Ausser die Fenster- und Türrahmen werden sämtliche Arbeitsvorgänge auf der Baustelle vorbereitet.
In der Zwischenzeit kochte eine Gruppe Leute Frühstück, eine andere bereitete den Tisch mit den Glücksgaben für das Haus vor.
Die Arbeiten die Uli heute übernehmen darf, wie das erste Holz für das Baugespann setzten, den ersten Spatenstich und den Stein mit den Glücksbringern in den Boden in der Mitte des Hauses legen, übernimmt sonst ein Aussenstehender Mann aus der Dorfgemeinschaft. Es muss ein Mann sein der den Bauleuten gut gesinnt und ehrlich ist. Besitzt er noch etwas Geld, ist es auch gut.
In der Zeit bis der erste Spatenstich gemacht werden kann unterhalten sich die Leute. Da wir kein Singhalesisch verstehen übersetzt Dayrathne für uns. So hören wir von einem Arbeiter der neben uns steht, dass der Tsunami 9 Menschen aus seiner Familie getötet hat. Er war heute allerdings als Arbeiter nicht zu gebrauchen, da er bereits am frühen Morgen betrunken war. Alkohol und Drogen sind auch in Sri Lanka ein Problem. Dabei handelt es sich meistens um  selbstgebraute Naturprodukte aus dem Busch. Die sind für alle erschwinglich, haben auf die Gesundheit die grösseren Nebenwirkungen als z.B. der uns bekannte Alkohol.
Nach der Ehrbezeugung der neuen Hausbesitzer an uns und Euch die wir beitragen, dass sie wieder ein anständiges Haus über dem Kopf  erhalten,
war der erste Spatenstich genau um 8.55 Uhr. Um 9.20 Uhr durfte Uli der Stein mit den Glücksbringern in den Boden legen und Roschan und Anuscha stellten das Glücksbäumchen daneben. Bei der ganzen Zeremonie regnete es leicht. Darüber freuten sich alle. Leichter Regen beim Baubeginn bringe Glück für das neue Haus. Anschliessend schien die Sonne wieder.
Beim angebotenen Frühstück habe ich mich auf Brot und Bananen begrenzt. Uli ist da etwas mutiger. Er versuchte von allen angebotenen Köstlichkeiten die nebst Brot und Bananen aus Fisch, Sambal und Milchreis bestanden. Laut seiner Atmung und dem Gesichtsausdruck war das Essen aussergewöhnlich scharf.
Wir überliessen den Arbeitern und Nachbarn das ausgraben des Fundamentes (das am Abend bereits fertig war) und besuchten unsere anderen drei Baustellen. 
Beim ersten Haus freut sich Naodi immer wenn wir kommen. Der kleine Adinte fürchtet unsere weisse Haut und unsere Sprache auch nicht mehr. Kinder werden in Sri Lanka von den Erwachsenen sehr geliebt und wachsen von allen behütet in der Familiengemeinschaft auf.
Priante, der sein Haus in der Umgebung unserer Baustellen hat, wird nach wie vor täglich von hilfesuchenden Menschen angesprochen und gebeten, uns über ihre Schicksale zu informieren. Oft wird er auch in unserer Anwesenheit angesprochen. Er hört allen mit grosser Geduld und viel Verständnis zu, nimmt ihre Probleme ernst und vertröstet die Leute auf einen eventuellen späteren Zeitpunkt. Er erklärt uns, dass man den Menschen in ihrer Not die Hilfe nicht einfach verweigern darf, da sonst die Hoffnungslosigkeit zu gross wird.
Heute bat uns eine alte Frau um Hilfe. Sie mussten einen neuen Brunnen graben weil der alte durch den nahen Bach mit verseuchtem Wasser verschmutzt wird. Es sieht aus wie eine grünlich verschmutzte Lauge. Jetzt wurde ein neuer Brunnen in einiger Entfernung gegraben. Da die Bewohner der acht Familien die den Brunnen benützen aber kein Geld besitzen um die Seiten des Brunnenschachtes zu sichern, stürzten immer wieder Teile der Seitenwand ein. Dies verschmutzt immer wieder das Wasser und macht es unbrauchbar. Daneben besteht auch die Gefahr, dass die Frauen die hier Wasser holen mit dem Boden einstürzen und so im Schacht ertrinken. Da von saubern Wasser auch die Gesundheit der Menschen abhängig ist, werden wir die Kosten für die Zementrohre und den benötigten Zement übernehmen. Dies gewährleistet einigermassen sauberes Wasser zum Duschen, putzen  und Kleiderwaschen für diese acht Familien. Die Arbeiten führen sie selber aus.

Samstag 7. Mai 2005
Heute erlebten wir Bilderbuchwetter am Morgen um 6 Uhr 30 wehte ein leichter, angenehmer Wind. Die Bäume und Palmen dicht an dicht gewachsen, mit ihrer Höhe, den grossen Blättern und Geschmeidigkeit wehten und raschelten leicht im Wind. Am frühen Morgen, wenn alle Vögel erwachen singen und pfeifen sie um die Wette. In solchen Momenten könnten wir stundenlang im Garten sitzen, zuhören und zusehen. So blau wie heute sahen wir den Himmel hier noch selten. Die Luftfeuchtigkeit war verhältnismässig tief, um so stärker und heisser brannte die Sonne. Mehr als 10 Minuten war es an der prallen Sonne nicht auszuhalten. Wir versuchen die Wärme und die schönen Momente in unserm Körper und Gedächtnis zu speichern, um an kältern Tagen in der Schweiz davon zehren zu können.
Nach dem absenden unserer Mails im Internet Shop machten wir uns auf den Weg zur letzten Baustelle.
Heute gehörten wir allerdings nicht zu den ersten. Das Fundament wurde gestern noch fertig erstellt. Heute wird Beton gemischt um den Boden zu giessen. Dies ist eine kaum vorstellbare Hand- und Knochenarbeit. Zuerst wird Sand mit Zement gemischt und danach auf ein Rechteck von 5m auf  1m verteilt. Als zweite Schicht kommen gröbere Steine dazu. Ein Arbeiter giesst Wasser darüber, während zwei andere der Länge nach mit Schaufeln das ganze in 5 Gängen mischen. In Schubkarren mit Löchern und ohne Gummi an den Reifen oder von Hand in Eimern oder halbrunden Becken wird der gemischte Beton auf das Fundament geleert und mit Kellen und Holzlatten gerade gestrichen. Eine andere Gruppe Männer lud über tausend Backsteine, einen nach dem anderen von einem von einem kleinen Lastwagen. Die Nachfrage für Backsteine ist im Moment so gross, das sie von weit her geliefert werden müssen. Bis am Abend wird der Zementboden fertig sein, dann können die Arbeiter am Morgen mit dem bauen der Hauswände beginnen. Während die Männer am Haus arbeiten, sind die Frauen einen grossen Teil des Tages am Holzfeuer im Freien mit kochen beschäftigt. 
Die Tisch- und Esskultur in Sri Lanka unterscheidet sich sehr von der unsern. Gegessen wird dreimal täglich. Zum Frühstück gibt es bei den meisten Leuten Brot, Linsencurry und Fischcurry. Zum Mittagessen zirka um 14 Uhr essen sie Reis, Gemüsecurry, Linsencurry, Fischcurry usw. Je nachdem wie viel Geld für die Nahrung zur Verfügung steht gibt es mehr oder weniger verschiedene Currys. Auch zum Nachtessen das zu später Stunde stattfindet gibt es Reiss und diverse Currys. Amita die Besitzerin der Sunset Bar bietet uns bei den Mahlzeiten immer wieder Reiss an sie kann nicht verstehen das wir so wenig Reiss essen.
Aus der Tischkultur werden wir nicht ganz schlau. Wir haben noch keine Familie gemeinsam am Tisch sitzen und essen sehen. Oft sieht man die Menschen mit einem Teller in der Hand in der offenen Haustüre oder im Freien spazierend essen. Das Essen wird bei allen drei Mahlzeiten frisch zubereitet, da ganz selten eine Familie im Besitze eines Kühlschrankes ist. In der Sunset Bar gehen sie nach unserer Bestellung die Frischsachen wie Gemüse und Obst zuerst im Nachbargeschäft einkaufen. Ihr Kühlschrank ist zu klein, um nebst den Getränken auch noch Esswaren aufzubewahren.
Priante besitzt in seiner Umgebung den einzigen Kühlschrank. Die Nachbarn dürfen das dringend notwendige in seinem Kühlschrank zur Aufbewahrung geben. Jede Familie schreibt die ihr zugeteilte Nummer auf die Plastiktüte. So ist bei ihnen den ganzen Tag ein kommen und gehen.
Auf den drei ersten Baustellen gehen die Arbeiten langsam dem Ende zu. Bis am Donnerstag sollten alle drei Baustellen fertig sein. 
Bei Haus eins und zwei werden die Innenwände verputzt und die Toiletten müssen noch fertig erstellt werden.
Das dritte besuchten wir heute nicht dort sollten die Arbeiten eigentlich ausser der Toilette beendet sein. Morgen soll es eine kleine Einweihungsfeier geben. Wann und in welchen Rahmen werden wir erst morgen erfahren. 
Die Arbeiten für den Brunnenschacht der 8 Familien waren heute am frühen Nachmittag bereits fast zu ende. Morgen wollen sie das alte schmutzige Wasser auspumpen. Danach sollte ihr neuer Brunnen einsatzbereit sein.
Heute Abend gingen wir früher zum Nachtessen in die Sunset Bar als üblich. Das Cafe steht direkt am Meer. Bei hohen Wellengängen kann es vorkommen, das man im Cafe nasse Füsse bekommt. Beim Tsunami wurde das Restaurant durch ein Fischerboot zum Teil zerstört, das von den Wassermassen ans Gebäude geschleudert wurde. Da die Gewalt der Welle durch das vorliegende Riff gebrochen wurde, stieg das Wasser an dieser Stelle einfach ohne grosse Kraft um einige Meter an. Die Gebäude aus festen Mauern wurden dabei nicht beschädigt. Alles was nicht Niet und Nagelfest war, wurde aber mitgerissen. Ihr Kühlschrank z.B. wurde etwa 100m im Landesinnern gefunden. Durch den schnellen Wiederaufbau (innerhalb der ersten Woche nach der Flut) besteht für sie das Gesetz nicht, dass nur noch 100m vom Strand weg gebaut werden darf.
Vom Meer her bläst meistens ein kühler Wind. Mit den nur sechs Tischen erleben wir hier eine herzliche Familien Atmosphäre. Das Restaurant und die Küche werden sauber geführt, das Essen aussergewöhnlich gut und günstig und die Wirtsleute sehr nett. Dies sind alles gute Gründe, um immer wieder herzukommen.
Nach den schönen Wetter heute erhofften wir uns einen ebenso schönen Sonnenuntergang. Unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Uns bot sich ein kaum vorstellbares Schauspiel. Wir können uns nicht erinnern, je einen so schönen Sonnenuntergang gesehen zu haben. Der Himmel verfärbte sich in verschiedenen orange-gelb Tönen, die von einigen Wolken und blauen Himmelsabschnitten unterbrochen wurden. Das Meer und der nasse Sand auf Strandseite glänzten golden. Immer wenn wir dachten das Schauspiel sei nun vorüber, wurden die Farben noch eine Spur schöner, kraftvoller und intensiver. Der ganze Sonnenuntergang dauerte zirka ¾ Stunden. Mit dem Untergang der Sonne um 19 Uhr breitete sich die Dunkelheit aus.  

Sonntag 8. Mai 2005
Vor einigen Tagen erzählte uns Dayrathne, dass früher bei einer Hauseinweihung zuerst ein Huhn in das Haus geschickt wird. Es besteht die Sage, dass die bösen Geister über den ersten der das Haus betritt herfallen.
Heute morgen um halb neun erschien Lalani und sagte, dass wir um 10 Uhr beim Haus Nummer drei sein müssen da es eine kleine Einweihungsfeier gebe. Uli kleidete sich mit dem traditionellen Sarong. Bei unserer Ankunft wurde uns mitgeteilt, dass wir als erste das Haus betreten dürfen. Spasseshalber wollten wir dann wissen ob wir der Ersatz für das Huhn sind. Nach der Willkommens- und Ehrbezeugung der Familienangehörigen uns gegenüber erhielten wir einen Blumenkranz umgehängt. Die Einweihung wurde von einem Mönch zelebriert. Er hatte einen zirka 12 Jahre alten Jungen bei sich der für eine gewisse Zeit bei den Mönchen lernt. Die gesungenen Gebete haben eine über 2500 Jahre alte Tradition. Erst einmal wurden Gebete gesprochen, anschliessend durfte Uli eine Öllampe und Räucherstäbchen anzünden. Dann erzählte der Mönch den am Boden sitzenden Familienangehörigen und Verwandten wie gut und schön es sei, dass es Menschen gibt die andern in einer schwierigen Situation helfen. Anschliessend wurde ein weisser Faden der den Anfang in einem Wasserkrug hatte vom Mönch haltend an uns und anschliessend an die Familienangehörigen weiter gereicht. Durch das halten des Fadens mit den Händen waren wir alle miteinander verbunden. Nach einem Gebet durchtrennte der Mönch den Faden und band uns, Dayrathne, Priante und den Familienangehörigen einen Teil um das rechte Handgelenk. So sind wir auch in Zukunft miteinander verbunden. Anschliessen erhielten alle eine Handvoll Wasser aus dem Krug um sich damit das Gesicht zu waschen. Der Mönch und sein Gehilfe verliessen die Zeremonie. Für die andern gab es Kuchen, Bananen, Tee und Kokosnüsse. Um halb 12 Uhr war die Feier vorbei.
Danach besuchten wir Haus Nummer eins. Hier waren die Maurer gerade fleissig mit Sand sieben  zum verputzen der Wände beschäftigt. Es wurde uns danach mitgeteilt, dass am Mittwoch die Einweihungsfeier abgehalten wird. 
Im Haus Nummer vier waren die Maurer mit dem Beginn der Mauer beschäftigt. Am Abend war die Mauer schon ein gutes Stück höher.
Da in Hikkaduwa jeden Sonntag Markttag ist nutzten wir die Gelegenheit, uns dort ein bisschen umzusehen. Auf dem Markt sind beim Tsunami zirka 500 Menschen gestorben. Als wir heute Mittag das Gedränge auf dem Marktplatz sahen ist es erstaunlich, dass nicht mehr Menschen das Leben verloren haben. Aus der ganzen Umgebung kommen viele Händler und Einzelpersonen um Gemüse, Früchte, Stoff, Geschirr, Spielsachen, Gewürze, Fisch und vieles mehr zu verkaufen. Die Verkäufer bieten ihre Ware dicht an dicht gedrängt auf Tüchern und Plastikunterlagen am Boden zum Verkauf an. Um sich vor der Sonne zu schützen werden Plastikplanen auf Holzstangen gespannt. Die sonst schon arge Hitze staut sich unter dem Plastik noch viel mehr. Am frühen Nachmittag wird alles zusammengeräumt um in einer Woche wieder angeboten zu werden. 
Vor  lauter zelebrieren und Markt anschauen vergassen wir genügend Flüssigkeit zu uns zu nehmen. Die Auswirkung darauf bekamen wir bald zu spüren. Müde, schlapp und energielos holten wir Zuhause das versäumte nach und erholten uns für eine Stunde unter dem kühlenden Ventilator.
Daminde holte uns um 16 Uhr mit seinem Tuktuk ab. Auch wenn er kein Englisch versteht weiss er wohin wir wollen. Wir sprechen auf Englisch, er auf Singhalesisch dazu jedoch alle drei mit Händen und Füssen und immer mit einem Lachen im Gesicht. 
Die Fahrt führt uns zuerst einmal zu Haus Nummer vier. Wir waren ganz schön erstaunt wie weit die Arbeiten fortgeschritten sind. Unter all den Arbeitern auf den vier Baustellen sind 10 Mitarbeiter die seit bald 3 Wochen ohne Freitage arbeiten.
Gemeinsam mit Roschan dem neuen Hausbesitzer wollten wir die Überreste seines vormaligen Hauses ansehen. Die Fahrt ging zirka 3 km der Küste entlang. Auf der ganzen Strecke stehen im vormals dicht besiedeltem Gebiet nur noch einzelne ursprüngliche Häuser. Alle andern Wohnmöglichkeiten sind Zelte und kleine Holzhäuschen. Viele Menschen haben diese Notunterkünfte verlassen und weiter im Landesinnern oder irgendwo bei Verwandten Unterschlupf gefunden. Auf dem Boden von Roschans Eltern standen früher drei Häuser. Eines für die Eltern, eines für Roschan und seine Familie und eines für die Familie seines Bruders. Ausser Erdhaufen und Fundamenten ist nichts übriggeblieben. Die Schwägerin von Tarusi ist in der Flut gestorben. Im ehemaligen Nachbarhaus starb eine 5köpfige Familie. In der Gegend sind über 300 Menschen der Flut zum Opfer gefallen. Wenn man von so vielen Schicksalen hört und sieht werden die eigenen Sorgen ganz klein und nebensächlich. 

Montag 9. Mai 2005
Heute Vormittag waren wir zum Einkaufen und einen Bankbesuch in Hikkaduwa. Mindestens sooft wie mit dem Tuktuk waren wir auch zu Fuss unterwegs. Wir kennen die Buschstrassen und Wege bald auswendig, wissen wo sich Löcher und Steinhaufen befinden und kennen bald sämtliche Kinder die, sobald sie uns sehen aus den Häusern rennen und hallo Bonbon rufen. Die Strassen und Wege sind in einem schlechtern Zustand als die Alpstrassen in der Schweiz. An den Strassenrändern wurden vom Staat viele Stein und Sandhaufen abgeladen um die Strassen auszubessern. So wie sie abgeladen wurden liegen sie schon seit drei Wochen. Der Staat schickt keine Arbeiter für die Weiterverarbeitung. So langsam verschwinden Steine und Sand stillschweigend und man sieht öfters ein Haus das renoviert wird.
Noch fast interessanter verhält es sich mit dem Abfall und Kehrichtwesen. Seit unserer Ankunft in Hikkaduwa sahen wir genau einen offiziellen Abfalleimer. Hier wird fast alles auf den Boden geschmissen. Auf Privat- oder Allgemeinem- Boden macht kein Unterschied. Nicht selten sieht man am Strassenrand grosse Abfallhaufen. Zwischendurch werden sie angezündet und was verbrennt, ist gut was nicht bleibt eben liegen. Ich habe zwei Arbeitern zugesehen, die alte Reklameplakate an einer Mauer herunternahmen. Als sie mit der Arbeit fertig waren, lag das ganze Papier auf der Strasse und die Arbeiter zogen weiter. Irgend ein Windstoss wird das Papier sicher weitertragen, dann ist es auch weggeräumt.
Zwei bis dreimal pro Woche fährt die offizielle Kehrichtabfuhr durch Hikkaduwa. Mit lautem Gehupe des Traktors machen die drei Müllabfuhr Männer bemerkbar. Private Haushaltungen und Geschäfte können den Abfall direkt mitgeben. Abfalltrennung kennt man hier nicht. Der auf der Strasse verstreut liegende Abfall wird nicht eingesammelt, sondern nur das was in kleinen Haufen zusammengewischt wurde. Dies sind höchstens 5 % des herumliegenden „Güsels“. Ist der Traktor voll,  wird er irgendwo entleert bis sich die Bewohner der Umgebung wegen der Unordnung und des Gestankes wehren. Dann suchen sich die Müllmänner einen neuen Ort für die Entsorgung aus.
Auch die besuche auf der Bank sind für uns gewöhnungsbedürftig. Geldgeschäfte werden entweder direkt von Hand zu Hand oder über die Bank getätigt. Dies betrifft auch sämtliche Einzahlungen. Die Bank ist meistens gerangelt voll mit Menschen und für unser Verständnis herrscht ein riesen Durcheinander. Es ist jedes Mal ein Hindernislauf von Schalter zu Schalter bis man einen Check einlösen kann. Von Bankgeheimnis und Privatsphäre kann da keine Rede sein. Die Leute stehen dicht an dicht gedrängt am Schalter und wissen anschliessend mit wie viel Geld man die Bank verlässt. Bei der tiefen Währung (ein CH Fr sind zirka 80 Rupien) sind das meistens ganze Bündel Geldnoten die wir in die Hand gedrückt bekommen. In solchen Momenten wünschen wir uns jeweils es wären nicht Rupien sonder Franken. Die Bankangestellten sitzen in einer Reihe an Schreibtischen ohne Sicherheitsglas und haben Berge von Papier vor sich. Ist es dann endlich soweit und man wird endlich bedient sind immer wieder Kunden da die den Bankangestellten mit Fragen unterbrechen oder wollen das die Reihe nun an ihnen ist. Mitten in der Bearbeitung unserer heute morgen stürzte der Computer ab. Sie sagten uns wir sollen später wieder kommen da die Reparatur einige Zeit in Anspruch nehme. Da die Bank um drei Uhr schliesst waren wir um halb zwei wieder da. Leider aber unser Sachbearbeiter nicht. Nach 20 Minuten warten erschien er in der Bank, grüsste uns und verschwand wieder. Weshalb sagte uns niemand. Wir gehen davon aus, dass seine Mittagspause noch nicht vorbei war. Nach weitern 15 Minuten Wartezeit erbarmte sich eine junge Bankangestellte unserer. Nur den bessern Wechselkurs vom Morgen erhielten wir nicht. Die Bank ist das einzige Gebäude mit Air Condition. Diese läuft auf Hochtouren. Kommt man von den heissen Temperaturen von draussen in die Bank friert einem. Beim verlassen der Bank spürt man die Hitze umso mehr.
Bei Haus Nummer eins hat Nandige der Hausbesitzer begonnen die Aussenwände des Hauses weiss zu streichen. Die Farbe mischt er selber aus der Zusammensetzung mit Wasser, Korallenstaub, ein wenig blauer Naturfarbe und Salz.
Anschliessend besichtigten wir noch den nun fertiggestellten Brunnen. Das Schmutzwasser wurde zweimal ausgepumpt jetzt ist das Wasser klar und brauchbar. Im Brunner wurde auch das Datum des Tsunami und der Erstellung des Brunnens eingeritzt.
Im Haus vier geht alles gut voran die Wände sind schon auf halber Höhe.

Mittwoch 11. Mai 2005
Um 7 Uhr 45 holte Daminde uns zu Hause ab. Heute ist grosses Fest angesagt, denn Haus eins und zwei werden eingeweiht.  In Priantes Haus holten wir eine grosse Schüssel mit verschiedenen Tropischen Früchten. Daminde fuhr uns damit zum Tempel, Priante, Dayrathne und Tilag der Bauführer folgten mit dem Motorrad. Im Tempel trafen wir auf die beiden Hausbesitzer. Es ist immer eine sich wiederholende Zeremonie im Tempel. Öllampe auffüllen und anzünden, Rächerstäbchen verbrennen und etwas Geld in eine Kasse legen. Neu war heute, dass ein Schnellbeter für etwas Geld innert kürzester Zeit Gebete und Fürbitten spricht. Die Singhalesen sprechen normalerweise schon schnell, bei ihm verstanden die Einheimischen sicher auch nicht alles. Im Tempel durften wir die Hausschlüssel an die neuen Besitzer überreichen. Die mitgebrachten Früchte wurden zerteilt und schön angerichtet. Eigentlich nahmen wir an, dass die Früchte nach der Segnung für die Mönche im Tempel gelassen werden. Es wurde jedoch fast alles wieder mitgenommen und zum Frühstück an die Anwesenden verteilt. Zum erstenmal in diesen vier Wochen erhielten wir rote Bananen. Diese gibt es hier selten zu kaufen. Sie sind im Geschmack noch besser als die Gelben.
Anschliessend an den Tempelbesuch trafen wir uns bei Haus Nummer zwei. Nachdem der junge Mönch eingetroffen war, begann die Einweihung des Hauses. Die Zeremonie fand im kleinen Rahmen statt. Der Hausbesitzer mit Familie, zwei Verwandte und einige Kinder waren nebst Dayrathne, Priante, Tilag und uns anwesend. Das Haus war innen und aussen mit farbigen Bändern und Luftballonen geschmückt. Über die Haustüre war ein rotes Band gespannt das Uli um genau 9 Uhr 26 durchschneiden durfte. Und wieder waren wir die ersten die das neue Haus betreten durften. Der Ablauf der Zeremonie fand etwa im gleichen Rahmen wie letztes mal im Haus Nummer drei statt. Anschliessend gab es Kuchen und Bananen.
Um 10 Uhr trafen sich Besitzer, Angehörige und Arbeiter bei Haus Nummer eins. Die Arbeiter hatten heute seit Baubeginn ihren ersten Freitag. Sie wurden zur Einweihung und dem anschliessenden Fest eingeladen. Die Einweihung dieses Hauses wurde speziell gefeiert, da es von Grund auf in 15 Tagen gebaut wurde. Dazu waren auch die Presse und das Fernsehen eingeladen. Organisiert wurde dieses Fest von Dayrathne und Priante. Zu diesem Anlass wurde von einer Firma ein schattenspendendes Blechdach, Tische, Stühle, Teller und Gläser gemietet. Dies wurde alles am Vorabend aufgestellt. Die Aufgabe der Frauen war es, rund um das Haus Ordnung zu schaffen. Störende Sträucher und kleinere Bäume wurden gefällt, es wurde gejätet und gewischt. Uli war der einzige Mann der sich der Frauen erbarmte und ihnen das Baumschneiden abnahm.
Bei unserer Ankunft heute morgen überraschte uns ein traditionell angezogener Mann mit seinem Trommelspiel. Auch diese Haus war innen und aussen geschmückt worden. Tilag der Bauführer hängte eine perfekt gewachsene und vom stiel abgedrehte (nicht abgeschnitten) Wassermelone unter den Giebel oberhalb des Hauseinganges. Die Melone soll alle bösen Gedanken und Worte missgünstiger Menschen im Fruchtfleisch aufnehmen. Nach drei Monaten fällt die Wassermelone selbstständig herunter und zerplatzt all die bösen Gedanken am Boden und lässt sie versickern. Zum Eröffnungsstart bedankte sich die ganze Familie auf traditionelle Art und von Naodi erhielten wir einen Blumenkranz umgehängt. Um 10 Uhr 17 trafen die Mönche ein. Spezielle Holzstühle mit einem weissen Tuch ausgestattet wurden ihnen zu sitzen angeboten. Auch hier gaben die Mönche den genauen Zeitpunkt zur Eröffnung des Hauses vor. Pünktlich um 10 Uhr 30 durchschnitt Uli, unter Trommelwirbel das rote Band das vor die Türe gespannt war.
Nach der uns in der Zwischenzeit bekannten Eröffnungszeremonie der Mönche kamen von der Singhalesischen Presse zwei Reporter vorbei. Nächste Woche soll in der singhalesisch und englisch geschriebenen Zeitung ein Bericht über die Unterstützung und die geleistete Arbeit berichtet werden. Etwas später erschien noch ein Fernsehteam vom Singhalesischen Fernsehen. Die Berichterstattungen sollen den Menschen hier etwas Hoffnung für eine bessere Zukunft geben. Nach einem Frühstück aus Milchreis, Sambal und Süssigkeiten für alle setzten sich die Arbeiter gemeinsam an einen Tisch. Mit Arrak haben wir mit ihnen angestossen und allen für die gute Arbeit mit einem Sarong (einem traditionellen Männerrock) bedankt. Später sassen die Arbeiter im Kreise spielten rhythmische Klänge auf der Trommel und sangen dazu. Um zirka 14 Uhr gab es Mittagessen für alle, mit verschiedenen Currys, Reiss und Süssigkeiten. Anschliessend verabschiedeten sich die Arbeiter mit einem Händedruck bei uns und bedankten sich nochmals herzlich für das Geschenk und das ganze Fest, da sie sonst für solche Feste nicht eingeladen werden.
Während des ganzen Tages kamen hilfesuchende Menschen mit ins Englisch übersetzten Bittschriften und fragten um eine mögliche Unterstützung an. Alle Briefe enthalten fast den gleichen Inhalt. Entweder wurde ihnen vom Tsunami alles zerstört oder sonst ein Schicksalsschlag stürzte sie in grosse Armut.
Um 17 Uhr waren wir beim Besitzer des zweiten Hauses zu einem Apero eingeladen. Mitten im Palmenwald unterhielten wir uns bis die Dämmerung hereinbrach.

Donnerstag 12. Mai 2005
Der heutige Tag verlief wiederum einiges ruhiger als der gestrige. Inzwischen haben wir nur noch eine Baustelle die wir besichtigen müssen. Für dieses Haus wurden heute Fenster und Türen bestellt. Die Mauern sind bis auf  Tür und Fensterhöhe aufgebaut.  Roschan der neue Hausbesitzer war ein paar Meter vom Haus entfernt fleissig am graben für die Sickergrube der Toilette. Alles verläuft gut und die Arbeiter sind nach dem gestrigen Freitag und dem Fest wieder schwer am arbeiten.
Danach waren wir im Haus eins um 13 Uhr zum Mittagessen eingeladen. Eigentlich wollte Nandige und seine Frau gestern Abend für uns und ihre Freunde ein Dankesessen geben. Da sie aber keinen Strom Anschluss zum Haus haben, wurde die Einladung auf heute Mittag verschoben.  Da wir zu früh waren hatten wir genügend Zeit den Frauen beim kochen zuzusehen. Auf nur zwei Kochstellen, gebaut aus Backsteinen und mit Holzfeuerung gelang es ihnen für zirka 20 Personen sieben verschiedene Currys und Reis zu kochen. Die geladenen Freunde assen im Freien gemeinsam an einem Tisch die Familienangehörigen irgendwo stehend oder spazierend im Freien. Für Priante, Dayrathne, Lalani und uns wurde im neuen Haus ein Tisch gedeckt. Um 13 Uhr war das Mittagessen angesagt. Gegessen haben wir dann erst um 14 Uhr 30 weil die vielen wichtigen und unwichtigen Gespräche bei einem Aperitif sich dahinzogen. Dabei wollten wir gleich nach dem Mittagessen wenigstens einmal im Meer schwimmen gehen. Nandige und Raneka bedankten sich zum x-ten mal für ihre schönes und solides Haus. Nun freuten wir uns auf das schwimmen im Meer, da hatten wir aber die Rechnung ohne unser Freunde gemacht. Zuerst gab es noch Tee und Bananen in Priantes Haus. Um 16 Uhr war es dann endlich so weit, wir genossen das erste baden im Meer. Kaum lagen wir im Sand um uns von der Sonne trocknen zu lassen, liessen uns die Sandflöhe nicht zur Ruhe kommen. Nach einer Stunde packten wir unsere Sachen und gingen nach Hause.
Dayrathne unsere grosse Hilfe in den letzten 4 Wochen hatte auch einen grossen Schaden bei Tsunami zu beklagen. Sein Tee und CD (Musik und Filme) Geschäft war bis zu dreivierten mit Wasser und Schmutz gefüllt. Finanziell bedeutete das einen grossen Verlust für ihn. Wurden doch einige hundert CDs, viele verschiedene Teesorten und alle Souvenirs total zerstört. Da er vorher ein guter Kunde der CD Gesellschaft war, erhielt er von dieser Firma einen Vorschuss Kredit. Diesen Kredit muss er jedoch innerhalb eines halben Jahres zurückbezahlen. Da es bei den wenigen Touristen zur Zeit unmöglich ist gute Geschäfte zu machen und schon gar nicht einen Kredit zurück zu bezahlen, ging Dayrathne gerne auf unsern Vorschlag ein. Wir boten ihm an, den nicht allzu hohen Kredit zu übernehmen, wenn er für vier Wochen das Geschäft schliesst um für uns und unsere Projekte zu arbeiten. Für uns war das eine gute Investition, denn ohne ihn hätten wir sicher nicht so viel verwirklichen können.
Zum Schluss möchten wir uns mit den Familien von Nandige, Sarat Mumara Singa, Danapala, Roschan, der Dorfgemeinschaft mit dem Brunnenprojekt, dem Altersheim, den Schulkindern von Kallupe und Dayrathne bei allen die uns und diese Projekte in irgendwelcher Form unterstützt haben von ganzem Herzen recht herzlich danken. 
Zum Schluss noch ein Fotos des vierten Hauses das nach unserer Abreise fertiggestellt wurde.

Freitag 13. Mai 2005
Heute ist unser letzter Tag in Sri Lanka. Nochmals besuchten wir alle unsere Projekte um Abschied zu nehmen. Abschied von den uns liebgewordenen Menschen. Für sie wie auch für uns war dies ein trauriger Moment. Konnten wir doch in den letzten Wochen für uns alle unvergessliche Wege miteinander beschreiten. Alle baten uns, sie sobald wie möglich wieder zu besuchen. Dieser Einsatz auch wenn er nur 4 Wochen dauerte wird für uns immer in Erinnerung bleiben. Dank Eurer Hilfe konnten wir vielen Menschen die schreckliches mitmachen mussten, einen Weg in die Zukunft weisen und ihnen neuen Lebensmut geben. 
Für uns steht fest, dass dies nicht unser letzter Hilfseinsatz in Sri Lanka war. Wir werden unsere "Hilfe für Hikkaduwa" weiterführen, damit wir auch den Menschen die wir vertrösten mussten Hilfe bringen können. Für weitere Unterstützung  möchten wir schon jetzt allen recht herzlich danken.  
Wir dürfen die Menschen in Sri Lanka nicht vergessen, denn viele von ihnen leben immer noch in unsäglich erbärmlichen Verhältnissen. Vom Staat wird den Leuten nicht geholfen. In den lokalen Zeitungen konnte man lesen, dass sehr viel Tsunami Geld das direkt an den Staat geflossen ist, auf unbekannten Wegen verschwunden ist. Der grösste Teil des Aufbaus wird durch Touristen auf privater Basis geleistet, dies wird auch immer wieder von allen Seiten betont. Immer wieder kommt es vor das Leute beim vorbei gehen oder fahren uns zurufen:
„Herzlichen Dank das ihr unserm Land helft."

 

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