Vom 9. bis 30. September 2006 werden wir in Hikkaduwa unsere Tsunami Wiederaufbau- Arbeit fortsetzen.
Wie schon letztes Jahr werden wir jeden Tag einen Arbeitsbericht auf dieser HP veröffentlichen.

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Berichterstattung aus Hikkaduwa
(beim klicken auf die unterstrichenen Wörter wird ein Foto geöffnet)
 

9. / 10. 9.2006
Gut vorbereitet haben wir am Nachmittag unsere Reise nach Hikkaduwa angetreten. Die Anreise dauerte gut 20 Stunden. In Dubai starteten wir mit einer Stunde Verspätung. Anschliessend wurde der Start abgebrochen, weshalb erfuhren wir nicht. In Colombo holte uns Sanjeewa vom Flughafen ab. Wir waren dankbar um die Aircondition im Auto, denn draussen war es heiss und schwül. Uli nutzte einen Zwischenhalt zum Kauf von sehr guten Bananen. Gespannt waren wir darauf zu sehen, wie weit der Wiederaufbau der Tsunami- Schäden fortgeschritten war. Unser erster Eindruck war sehr positiv. Es sind fast keine Zelte mehr zu sehen in denen Menschen wohnen. Der meiste Bauschutt der Tsunami- Häuser ist weggeräumt. Das tropische Klima mit seinem schnellen Wachstum an Pflanzen, Bäumen und Sträuchern lässt das Land wieder grüner und friedlicher aussehen.
Wie vor 1 ½ Jahren wohnen wir wieder in Dajratnes Haus. Nach der langen Reise war am Abend nur noch etwas Lebensmittel einkaufen, Nachtessen und schlafen angesagt.

11. 9. 2006
Um 6 Uhr früh wurden wir von einer ganzen Horde Affen aufgeweckt, die sich neben unserm Haus laut schreiend von einem Baum zum nächsten schwang. Es sind schwarze Affen mit einem braunen Hinterteil, ca. in der Grösse eines 4 jährigen Kindes.
Um 10 Uhr trafen wir uns in Prijantes Haus in Kallupe. Gemeinsam mit Dajratne und Prijante machten wir uns auf den Weg um die 4 Familien zu besuchen, denen wir letztes Jahr ein Haus bauen konnten. Die Wiedersehens Freude war auf beiden Seiten riesig. Allen 4 Familien geht es gut und sie haben ihre Häuser in der Zwischenzeit weiterentwickelt. Überall wurden wir mit Blumen und offenen Armen empfangen.
Im ersten Haus ist Nandige dabei, eine Küche und ein kleines Zimmer anzubauen.
Im Zweitgebauten Haus ist Sarat Kumara dabei, am Haus anzubauen. Sein Haus bestand ja nur aus zwei kleinen Räumen. Sarat ist handwerklich sehr geschickt und erledigt die meisten Arbeiten selbst.
Danapala im dritten Haus hat alle Aussen- und Innenwände verputzt und gestrichen.
Roschan hat die Umgebung hat die Umgebung des 4. Hauses schön gestaltet und einen Ziehbrunnen erbaut.
Alle 4 Häuser wurden von ihren Eigentümern mit Strom ausgestattet. Sie alle senden auch liebe Grüsse und ein herzliches Dankeschön an die Spender/ innen in der Schweiz.
Anschliessend an die Wiedersehen machten wir uns auf den Weg, um uns neue Projekte anzusehen. Unser Vorgehen war dasselbe wie letztes Jahr. Wir besuchten 6 Familien, die uns um Unterstützung baten. Wir begutachteten die Schäden. Prijante und Dajratne übersetzten für uns vom Singhalesischen ins englisch von den Tsunami Erlebnissen, Familienverhältnissen und Wünschen der Antragsteller.
Von den 25 Bittschriften zur Unterstützung, die wir letztes Jahr mit in die Schweiz nahmen, haben die meisten Familien bereits Hilfe von andern Touristen oder Organisationen erhalten. Unser gestriger erster Eindruck, dass bereits vielen Menschen geholfen wurde war richtig. Überall in und um Hikkaduwa wird gebaut. Zwischen Nandiges und Kumaras Haus rodete eine australische Organisation ein grosses Gebiet. Sie wollen Häuser für jene Menschen bauen die vom Meer ins Inland umgesiedelt werden müssen. Die Menschen hier erzählen, dass der Staat sich nach wie vor nicht am Häuserbau beteiligt. Das Geld zum Wiederaufbau kommt von Touristen und Organisationen vieler Länder. Was der Staat jedoch gemacht hat, ist eine breitere und bessere Hauptstrasse in den Süden. Wo viel gearbeitet wird, ist auch die Nachfrage an Baumaterialien gross. Die Preise sind zu ca. 1/3 gegenüber letzten Jahres angestiegen. Der Benzinpreis hat sich verdoppelt.
Heute Abend haben wir uns gemeinsam mit Prijante und Dajratne für die ersten zwei von den  sechs angeschauten Projekten entschieden. Es werden zwei Häuser für zwei junge Familien sein. Sie wohnen noch in den nach dem Tsunami provisorisch erstellten Blech- und Holzhäusern. Wenn das Geld zum Schluss noch reicht, würden wir einer Wittfrau mit 2 Kindern ein kleines Zweizimmerhaus erstellen.
Drei der sechs angeschauten Projekten schlossen wir von vornherein aus. Eines war ein sehr altes, dem Verfall nahes Haus. Die meisten Schäden stehen im Zusammenhang mit dem Jahrgang des Hauses und nicht mit den Tsunami Schäden. Auch die zwei andern Häuser sind alt. Sie sind nahe am Meer gebaut und weisen Tsunami Schäden auf. Der Besitzer des einen Hauses hat jedoch bereits ein kleines Haus im Landesinnern erhalten. Die Besitzer des andern Hauses hinterliessen bei uns einen eher negativen Eindruck. Der ganze Tsunami Müll liegt noch um das ganze Haus herum. Sogar die zerstörten Dachziegel liegen noch defekt auf dem Hausdach.

12. 09. 2006
Um 10 Uhr trafen wir uns gemeinsam mit Dajratne in Prijantes Haus, um das weiter Vorgehen unserer Bauvorhaben zu besprechen. Tilak unser Baumeister vom letzten Jahr ist leider unabkömmlich. Er und seine Arbeiter sind in einem andern Dorf, ca. 40 km von hier mit einem Grossauftrag von 50 neuen Häusern beschäftig. Wenn wir das richtig verstanden haben bauen sie dort dieselben Häuser wie wir letztes Jahr. Wir bedauern es sehr, auf Tilak und seine Männer verzichten zu müssen. Dajratne wird einen andern Baumeister engagieren. Bei der hohen Arbeitslosenzahl in Sri Lanka wird es uns keine Schwierigkeiten bereiten gute Arbeitskräfte zu organisieren.
Wir haben uns entschieden, zwei gleiche Häuser wie letztes Jahr zu bauen. Ein drittes, jedoch kleineres Haus bestehend aus zwei Räumen und einer Toilette ausserhalb des Hauses soll die allein stehende Frau und ihre zwei Kinder erhalten. Heute hat sich herausgestellt dass sie nicht verwitwet, sondern von ihrem Mann verlassen wurde. Die zwei ersten Häuser erhalten Familien, die uns bereits vor 1 ½ Jahren darum gebeten haben. Alle müssen heute Vorbereitungen treffen, damit übermorgen mit dem Bau begonnen werden kann. Morgen kaufen wir noch Baumaterialien wie Zement, Ziegelsteine, Holz usw. ein. Dazu kommt, dass der 13. in Sri Lanka kein guter Tag für ein Baubeginn ist. Die erste Familie muss das Haus räumen und vorübergehend beim Bruder und seiner Familie wohnen. Morgen wird das alte Haus abgerissen um das Fundament für das neue Haus zu erstellen.
Die zweite Familie muss heute zuerst die Zufahrtsstrasse zu ihrem Haus im Busch mit Sägespänen auffüllen, ansonsten ist die Anfahrt mit einem Auto unmöglich. Zurzeit gibt es täglich ein bis zweimal einen heftigen Tropenregen, der die Naturstrassen im Busch aufweicht und unter Wasser setzt.
Die allein erziehende Mutter besitzt ein kleines Stück Land nahe am Fluss. Beim begutachten stellte sich heraus, dass es total überwachsenes Buschland ist und zuerst gerodet werden muss. Dies wurde am Nachmittag durch einige junge Männer erledigt. Eine Familie die in der Nähe ein Haus ohne Fenster und Türen bewohnt, bat uns um finanzielle Unterstützung. Wir boten dem jungen Mann Arbeit beim roden des Busches und dem Hausbau der allein erziehenden Mutter an. So kann er etwas Geld verdienen und damit Türen und Fenster für sein eigenes Haus kaufen.
Wir besuchten auch heute die 4 Familien der letztjährigen Bauten. Es ist schön zu sehen wie gut es ihnen geht und sie sich Mühe geben ihre Zukunft weiter zu entwickeln. Wir empfinden sie gelassener und fröhlicher als vor 1 ½ Jahren. Alle wissen noch wie gerne Uli die frische Kokosnussmilch trinkt. Wenn die noch grünen Nüsse halbiert werden, kann das noch weiche Fruchtfleisch gut herausgelöst und gegessen werden. Es schmeckt gut und ist auch sehr nahrhaft.

13.09.06
Da heute der 13. Tag des Monats ist der sich nicht für einen Hausbeginn eignet, konnten wir bis 8 Uhr ausschlafen. Nach dem Frühstück fuhr uns Chaminde mit seinem Tuk Tuk zuerst zum Internetshop, anschliessend zu Prijante. Dajratne und Prijante bestellten gestern Abend noch Steine, Zement und Sand für die Fundamente und organisierten genügend Arbeiter. Beim Besuch des ersten Hauses waren wir über die bereits erledigten Arbeiten erstaunt. Das Haus war ausgeräumt und bis auf das Fundament abgerissen. Die Arbeiter waren bereits dabei Sträucher und Bäume zu fällen. Sie alle haben sich mächtig ins Zeug gelegt und gute Arbeit geleistet.
Beim zweiten Haus erwiesen sich die Ausbesserungsarbeiten an der Strasse etwas schwieriger. Zuerst mussten die vielen Löcher (Dajratne nennt sie Wassertänke weil sie so tief sind) mit Bauschutt aufgefüllt werden. Diese Arbeit war zu einem grossen Teil erledigt. Heute müssen sie jedoch noch die ganze Strasse mit Sägespänen, damit das Wasser aufgesogen wird und die Lastwagen nicht im Schlamm versinken. Das Haus ist ausgeräumt und zur hälfte abgebrochen. Diese Familie muss heute noch einige Arbeit leisten. Nandige, dem wir letztes Jahr ein Haus bauen konnten hilft dieses Jahr beim bauen mit. Das hat uns sehr gefreut. So hat er die Möglichkeit die nächsten 3 Wochen etwas zu verdienen. Sein Beruf als Flussfischer bring kein grosses oder regelmässiges Einkommen ein.
Beim dritten Haus für die allein erziehende Mutter gibt es Schwierigkeiten. Das kleine Landstück am Fluss gehört zwar ihr, aber sie besitzt kein Zugangsweg. Die Nachbarn verweigern ihr das Wegrecht auf ihrer Strasse. Die Frau besitzt in der Nähe noch ein kleines Stück Land. Wir werden morgen abklären ob da ein Hausbau möglich ist.
Zurück in Prijantes Haus besuchte uns eine 38 jährige Frau und Mutter von 4 Kindern. Bei einer Tasse Tee erzählte sie uns aus ihrem Leben. Ihr Mann starb vor einigen Jahren an einer Krankheit. Eines der Kinder leidet an Epilepsie, die nötigen Medikament kann sie nicht bezahlen. Sie hat kein Geld, keine Arbeit und weis nicht mit was sie Essen und Kleider besorgen kann. Dazu kommt, dass sie selber krank und am Ende ihrer Kräfte ist. Diese Begegnung ist uns sehr nahe gegangen. Wir werden die Familie morgen besuchen.
Den Grossteil des Nachmittags verbrachten wir auf der Bank. Dort haben wir ja bereits letztes Jahr unsere Erlebnisse und Erfahrungen gehabt. Eigentlich wollten wir nur einige Checks einlösen, um Morgen die bestellten Baumaterialien zu bezahlen. Aber so schnell und einfach geht hier gar nichts. Nachdem die Checks unterschrieben sind muss man sie zusammen mit dem Pass abgeben. In der Bank stehen nur Pulte ohne Glasscheiben oder Trennwände davor. Hinter den Pulten sitzen oder stehen jenste Mitarbeiter die sämtliche Papiere und Unterlagen von einem zum anderen schieben. Vor den Pulten drängen sich die Kunden in einem grossen Durcheinander, jeder will der vorderste sein. Da ist das herausgeben eines Reisepasses bereits ein Risiko.
Um das Geld ausbezahlen zu können muss sich die Bank bei irgendeiner Stelle in Sri Lanka rückversichern, dass der Check gültig ist. Eine gute Stunde versuchten sie mit diesem Büro telefonisch in Kontakt zu treten. Jedes Mal brach die Leitung nach einigen Worten wieder ab. Als das OK stand war Büroschluss und wir noch die einzigen Kunden in der Bank. Wir erhielten das Geld ausbezahlt. Bei der Währung von 1 zu 80 gibt das einige Bündel an Banknoten. So zählten wir nur die Bündel und nicht die einzelnen Noten. Auf dem Nachhauseweg mitten auf der Hauptstrasse holte uns ein junger Bankangestellter ein und bat uns ihm das Geld zu zeigen. Die Frau die es ausbezahlt hat glaube, sie hätte uns einen Bund zu viel gegeben. Wir waren nicht bereit weder auf der Strasse noch hinter der nächsten Hausmauer das ganze Geld auszupacken und machten den Vorschlag, zurück auf die Bank zu gehen. Der junge Mann wies uns in ein Touristenhotel. Wir unterhielten uns bei der Rezeption und er zählte das Geld nach. Natürlich hatte alles seine Richtigkeit. Anschliessend hatten wir ein ungutes Gefühl weil wir dieses nicht auf der Bank regeln konnten. Wir werden morgen beim Bankmanager über die Richtigkeit dieses Vorfalles erkundigen und über eine wünschenswerte kompetente Abwicklung informieren.

14.09.06
Zu Tagesbeginn begrüsste uns die Affenhorde laut schreiend und turnend. Es ist eindrücklich zu sehen, wie sie sich von Ast zu Ast schwingen.
Heute war
Baubeginn des ersten Hauses. Chaminde holte uns ab. Um 8 Uhr 30 trafen wir uns alle beim ersten Haus. Gestern fällten die Männer noch zwei Bäume damit das Haus etwas freisteht. Wenn die Kokospalmen zu nahe oder über die Hausdächer wachsen besteht immer die Gefahr, dass eine herunterfallende Kokosnuss Schäden an Menschen oder Häusern anrichtet. Die Mönche gaben gestern noch den genauen Zeitplan für den Hausbau bekannt. Begrüsst wurden wir wie es die Tradition vorschreibt mit Blumenkränzen und speziellen Blättern. Prijante achtete darauf, dass Uli genau um Punkt 9 Uhr 02 den ersten Pflock für das Baugespann setzte. Nachdem die Schnüre für das Baugespann gezogen waren, wurde der Gabentisch mit Blumen, Öllicht und Räucherstäbchen bereitgestellt. Genau auf die Minute um 9 Uhr 32 war es Uli’s Job, den ersten Spatenstich zu machen. Die Arbeiter übernahmen dann die schweisstreibende Arbeit um die Kanäle für das Fundament zu schaufeln. Sekundengenau um 10 Uhr 28 legte Uli einen ausgehöhlten Stein mit Glücksgaben in die Mitte des Fundamentes und pflasterte ihn gemeinsam mit dem Glücks und Reichtum versprechenden Baum der zukünftigen Eigentümer ein. Nach einem Frühstück für alle, bestehend aus Milchreis, unwahrscheinlich scharfen gebratenen Zwiebeln, Bananen, Süssigkeiten und Tee machten die Männer sich an die Arbeit um das Fundament zu legen.
Beim zweiten Haus tauchten Probleme auf. Eigentlich hätten wir heute auch dort gerne mit dem Hausbau begonnen. Der Vater der zukünftigen Hausbesitzerin weigerte sich, seiner Tochter den Boden für den Hausbau zu überschreiben. Der Schwiegersohn erklärte, er wolle sowieso nicht in der Nähe der Familie seiner Frau wohnen. Gestern noch wünschten sich alle den Hausbau. Wir unsererseits haben daraufhin unser Vorhaben abgebrochen. Wir wollten ja nicht dem Vater, sondern der jungen Familie ein Haus bauen.
Anfragen und Bittschriften um Unterstützung gibt es nach wie vor genügend. Täglich kommen Menschen die Hilfe nötig haben und erzählen Prijante und Dajratne von ihren Problemen. Beide haben immer ein offenes Ohr für alle Anliegen.
Wir haben uns dann auf den Weg zu jener Frau gemacht, die uns gestern um Hilfe bat. Sie ist verwitwet und lebt mit ihren 4 Kindern in unglaublich armseligen Verhältnissen. Es ist ein kleines Lehmhaus bestehend aus einem Raum. Darin wird gelebt, geschlafen und gekocht. Ist das Wetter gut, kochen die Menschen hier im Freien. Regnet es jedoch, muss das Kochen ins Haus verlegt werden. Aussen wurde das Haus mit allen möglichen Materialien ausgebessert um den Regen abzuhalten. Nebenan wohnt in einer fast so armseligen Hütte ihre Schwester mit Ehemann und zwei Kindern. Sie besitzen wenigstens eine Küche im Haus. In und um die Häuser ist alles sauber aufgeräumt. Wir sind sicher, dass das Geld gut eingesetzt ist wenn wir diesen Familien helfen.
Zurück in Prijantes Haus begann die grosse Rechnerei. Eigentlich wollten wir drei Häuser bauen, nun sind es vier. Wir haben uns entschlossen ein normales Haus wie letztes Jahr zu bauen. Dazu drei kleinere, bestehend aus je zwei Zimmern. Eines für die Witfrau, eines für ihre Schwester und eines für die allein erziehende Mutter. Dajratne unterhielt sich solange mit dem Bauführer bis er sich bereit erklärte, den Preis unseren finanziellen Möglichkeiten anzupassen. Mit dem Beginn des Hauses für die allein erziehende Mutter warten wir noch einige Tage ab, damit wir die überschüssigen Baumaterialien der andern drei Häuser einsetzten können.
Prijante lud uns heute um 15 Uhr zum Mittagessen ein. Gekocht hat die allein erziehende Mutter in Prijantes Küche. So konnte sie sich etwas Geld verdienen. Sie gab sich grosse Mühe. Das Essen war sehr gut und unsern Verhältnissen an Schärfe angepasst. Für Prijante und Dajratne war es wohl eher fad.  

15.09.06
Um 6 Uhr früh regnete es, wie es nur in den Tropen regnen kann. Man hört das Rauschen immer näher kommen. Dann kommt der Regen wie eine Wand. Innerhalb von Minuten steht alles unter Wasser. Das rauschen des Regens übertönt alle andern Geräusche des Busches. So ein Tropenregen kann von einigen Minuten bis zu einer Stunde dauern. Um 7 Uhr zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite mit blauem Himmel und Sonnenschein. Die Sonne entzieht dem Boden das Wasser und es entsteht ein bis zu 100% feuchtheisses Klima. Dies bringt dann uns wieder zum dampfen und wir benutzen eifrig unsere “Schweisstüechli“.
Heute trafen wir uns erst um 10 Uhr in Prijantes Haus. Bei solchen Treffen gibt es zuerst immer einen Tee und es werden über längere Zeit Begrüssungen und Höfflichkeiten ausgetauscht.
Beim ersten Haus sind die Arbeiter dabei die Bodenplatte zu giessen. Nur schon von Hand Betonmischen ist eine schweisstreibende und Kräfteraubende Arbeit. Am spätern Nachmittag wollen sie mit dem Mauern der Hauswände beginnen.
Bei den zwei neuen Baustellen gefällt es uns besonders gut. Es ist ein kleines Dorf bestehend aus ca. 10 Häusern mitten im Busch. Es sieht so idyllisch aus wie wir es von früheren Aufenthalten in den Tropen kennen. Aber allein vom idyllisch gelegenen Dorf können die Menschen auch hier nicht leben. Die Witfrau ihre 4 Kinder und die Familie ihrer Schwester sind überglücklich über den Bau der neuen Häuser. Das alte Haus der Witfrau wurde bereits gestern ausgeräumt, abgerissen und der Bauschutt entsorgt. Bis das neue Haus einzugsbereit ist, schlafen sie bei der Mutter nebenan in einem zwei Zimmer Häuschen. Nun sind sie dabei Bäume und Sträucher wegzuräumen und den Boden etwas aus zu ebnen. Es ist das erste Mal dass wir sehen, dass auch die Frauen und Mädchen kräftig mit anpacken. Das kommt wohl daher, weil sie wirklich sehr arm sind und führ solche Arbeiten niemanden bezahlen können. Verwitwete und von ihren Männern verlassene Frauen mit ihren Kindern haben es hier sehr schwer. Niemand will für sie verantwortlich sein oder für sie aufkommen. Auch vom Staat erhalten sie keine Unterstützung. Die Witfrau besitzt einige Hühner. Heute schenkte sie uns 4 Eier. Uns war das nicht recht, da sie sonst schon nicht genügend Esswaren besitzen. Dajratne riet uns, das Geschenk anzunehmen um die Würde der Frau nicht zu verletzen.
Wir konnten ihr dafür helfen indem wir ihr 2500 Rupien (ca. 31.- Fr.) für das traditionelle Essen bei einem Hausbeginn schenkten. Das Geld reicht auch für den Stein mit den Glücksbringern, der in das Fundament gelegt wird. Sie plante schon das Geld bei ihren Nachbarn auszuborgen.
Das alte Haus ihren Schwester steht an einem kleinen Abhang. Ein standhaftes Fundament würde das doppelte kosten. Ihr Sohn besitzt nebenan ein kleines Stück Land. Er wird es ihr überschreiben damit wir dort das Haus bauen können. Das alte Haus bleibt bestehen um als Küche genutzt zu werden. Morgen soll mit dem Bau der beiden Häuser begonnen werden.
Den heutigen Nachmittag verbrachten wir in “unserm“ Garten beim beobachten des Busches. Erstaunlich was man alles sieht wenn man sich die Zeit dazu nimmt. Wunderschöne Vögel, Schmetterlinge, Echsen, ein kleines grünes Chamäleon mit einem orangenen Kopf und Blumen in alle Farben.
Dajratne erzählte uns letzthin von einem Stück Dschungel in der Nähe. Es gibt dort viele Kräuter und Hölzer gegen alle möglichen Krankheiten. So zum Beispiel ein Holz das als Tee aufgekocht getrunken wird, den zu hohen Blutzucker auf natürliche Weise senkt. Er möchte uns den Dschungel gerne einmal zeigen. Als er jedoch von den vielen Blutegeln erzählte die auch dort leben, hielt sich bei einem von uns die Begeisterung über den Ausflug in Grenzen.

16.09.06
Auf dem Weg zum Internetshop um 9 Uhr 15 rief uns Prijante an und sagte, dass wir uns beeilen sollten denn um 9 Uhr 42 soll der Beginn der zwei Häuser stattfinden. Mit Chaminde fuhren wir direkt ins Buschdorf. Dort sassen wir dann bis um 10 Uhr 42 herum weil sich irgendwer in der Zeit vertan hatte. Englisch ist natürlich für alle nur die Zweitsprache. Im Dorf trafen wir sehr viele arbeitswillige Leute an. Auch hier arbeiten die Nachbarn am 1. Tag gratis. Ab 10 Uhr 42 wurde es für Uli fast etwas streng. Da heute der Baubeginn für zwei Häuser war wurden wir zweimal mit Blumen begrüsst. Da die Häuser nicht weit voneinander gebaut werden, haben die Mönche die diversen Startzeiten der beiden Häuser nicht nacheinander sondern einmal hier und einmal dort angegeben.
So switschten wir immer beiden Baustellen hin und her. Uli um zweimal den ersten Pflock zu setzten, zweimal den ersten Spatenstich zu machen und zweimal den Glückstein in das Fundament zu setzen. Ich, um alles mit der Kamera festzuhalten. Jung und alt lassen sich alle unheimlich gerne fotografieren. Zu Glück haben wir das Zeitalter der Digitalkameras, so entfällt die Fotoentwicklung.
Es machte den Eindruck als ob sich das ganze Dorf zum Baubeginn versammelt hätte und alle freuten sich mit den beiden Familien. Alle sind sehr freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit.
Den ersten Pflock setzten wir bei der Schwester und ihrer Familie der Witfrau. Für uns also das Haus Nummer zwei. Zur Familie gehören Vater, Mutter, eine ca. 17 jährige Tochter und ein ca. 15 jähriger Sohn.
Die Witfrau kann ihr Glück kaum fassen und beteuerte uns immer wieder ihre Freude. Obwohl das neue Haus (für uns Haus Nummer drei) nicht grösser als 3 m x 6 m ist und nur aus zwei Räumen besteht ist es doppelt so gross wie das alte Haus. Sie hat sich für die Vorbereitungen grosse Mühe gegeben. Sie wollte, dass alles seine Richtigkeit hat und dem Haus und seinen Bewohnern in Zukunft möglichst viel Glück und Segen beschieden ist. Sie hat es sich nicht nehmen lassem, zwei junge Mönche einzuladen, die mit ihren Gebeten und Zeremonien das ihre zu einem guten Start beitrugen. Sonst kommen die Mönche immer erst wenn ein Haus fertig gebaut ist um es einzusegnen. Ein weiteres schönes Ritual das wir bis jetzt erst einmal bei Nandiges Hauseröffnung letztes Jahr sahen, wurde heute durchgeführt. Ein kleiner mit Kokosmilch gefüllter Tontopf wird auf ein Feuer gestellt um die Milch zum kochen zu bringen. Je nachdem auf welche Seite die Milch überläuft, bringt es viel oder etwas weniger Glück ins Haus. Leider überschwappte die Milch auf die weniger gute Seite. Dafür freuten sich die Leute über andere glückliche Ereignisse. So ist es ein gutes Zeichen, dass der Hahn nicht mehr zu schreien aufhörte und dass von Uli’s Blumenkranz eine Blüte beim einsetzten des Glücksteines mit in das Fundament fiel.
Bei beiden Häusern waren die Frauen mit kochen beschäftigt. Es sieht zwar simpel aus, ist jedoch gar nicht einfach am Boden auf verschiedenen Feuerstellen ein Essen für so viele Menschen zu kochen. In der Schweiz reguliert man die Wärme per Knopfdruck. Hier werden bei zuwenig Hitze Äste nachgeschoben und bei zu starker Hitze wieder herausgezogen. Alle Arbeiten werden sitzend am Boden verrichtet. Die Tochter der Witfrau hat hauchdünne Zwiebelringe geschnitten. Dabei hatte sie ein grosses Messer mit den Zehen haltend und mit der scharfen Seite nach oben vor sich am Boden liegen. Die Zwiebel hat sie von oben auf der Messerklinge geschnitten ohne das Messer einmal zu berühren. Nachdem die Zeremonien vorbei waren wurden alle zum Essen eingeladen. Auch dazu gibt es ein spezielles Zeremoniell. Eine Frau geht mit einigen Gläsern Wasser auf einem Tableau zu allen Eingeladenen. Ohne ein Glas Wasser zu nehmen wissen alle, dass nun das Essen beginnt. Nur wir lernen diese Geste wohl nie. Jedes Mal Fragen wir nach, ob es denn auch Flaschenwasser sei, ansonsten müssten wir es dankend ablehnend. Die Frauen gucken uns dann immer verständnislos an und Prijante und Dajratne lachen. Das Wasser ist ja nur als Einladung und nicht zum trinken gedacht.  Natürlich waren wir bei beiden Familien zum Essen eingeladen. Zweimal hintereinander Milchreis, Curry und Süssigkeiten essen war uns zuviel. Sie haben es verstanden, dass wir bei den einen den Hauptgang, bei den andern die Süssigkeiten nahmen.
Beim ersten Haus haben wir uns nur kurz aufgehalten. Sie haben dort sehr fleissig gearbeitet, die Wände sind bereits zur Hälfte gemauert.
Anschliessend lud uns Prijante zu sich nach Hause zum Essen ein. Seine Frau und seine Töchter sind über das Wochenende hergekommen. Während der Woche leben sie ca. 30 Minuten entfernt im Landesinnern. Seit dem Tsunami fürchtet sich Prijantes Frau hier zu leben.
Am späten Nachmittag schrieb ich für einen Nachbarn noch einen Brief an eine deutsche Familie. Den Abend verbrachten wir im Garten beim Schreiben und in Gesellschaft unseres Nachtwächters.

17.09.06
Vom Sonntag merkt man in Sri Lanka nicht sehr viel. Einzig die Schulen, Banken und Büros kennen Wochenende. Die Geschäfte sind alle geöffnet, die Strassenarbeiter gehen ihrer Arbeit nach und auch auf unseren Baustellen wird weitergearbeitet. Im Buddhismus gibt es keinen Sonntag wie wir ihn kennen. Sie feiern nur wenige religiöse Feste und einmal im Monat den Vollmond.
Beim ersten Haus sind die Arbeiten bereits bis zum Dachgiebel fortgeschritten.  
Beim zweiten und dritten Haus haben sie gestern Abend noch die Fundamente und die Bodenplatten fertig gestellt. Beim dritten Haus haben die Arbeiter mit dem mauern der Hauswände begonnen. Gegen Abend wollen sie auch das zweite Haus in Angriff nehmen. Das Dorf und ihre Bewohner erinnern uns stark an unsere Zeit in Papua Neu Guinea. Es liegt am Rande eines Süsswasser Sees. Dem See entlang hat es sehr viele Mangrovenbäume und Sumpfgebiet. Das ganze Dorf lebt bei den Bauarbeiten mit. Alle heissen uns immer herzlich willkommen, sind fröhlich und unterhalten sich mit uns. Einige von ihnen sprechen ein wenig Englisch. Sie zeigen und erklären uns alles was mit ihrem Leben zusammenhängt. Ein Nachbar besitzt fünf Muttersauen. Letzte Nacht hat es Nachwuchs im Schweinestall gegeben. Wir wurden zu einer Besichtigung eingeladen und durften uns mit ihnen freuen. Ein ca. fünfjähriges sehr aufgewecktes Mädchen hat mich an der Hand genommen und mich auf einem kleinen Buschrundgang auf viele Sehenswürdigkeiten aufmerksam gemacht. Da gab es kleine Hunde, Vögel und bis zu 2 Meter grosse Riesenechsen zu bestaunen. Die Echsen leben im Sumpfgebiet. Bei den Bewohnern sind sie nicht sehr beliebt, da sie alles was sie finden fressen. Die Schweine ohne Nachwuchs leben an einen Baum angebunden. Die Echsen jagen die Schweine von ihrem Futter weg und machen sich über das Fressen her. Für Menschen sind die Echsen ungefährlich. Kommt jemand, ziehen sie sich in den Sumpf zurück.
Ein Mann hat uns zu einer Kanufahrt auf dem See eingeladen. Die Kanus sind sehr schmal und aus Fiberglas mit einem Ausleger aus Holz gebaut. Der Platz reicht kaum aus, um beide Beine nebeneinander zu stellen. In Einerkolonne bietet das Boot platz für fünf Personen. Auf dem See war es sehr ruhig und friedlich. Ausser einigen Fischerkanus war nichts zu sehen und zu hören. Der See kann von allen Menschen zum fischen genutzt werden. Immer im Abstand von ca. 20 m ragt ein Ast aus dem Wasser. Bei diesen Ästen werden zweimal pro Woche die Fische gefüttert. So kommen sie immer wieder an dieselben Stellen zurück und können leicht eingefangen werden. Es gibt auch einige Zuchtstellen für Crevetten. Um die Zucht vor Dieben zu schützen, schlafen Nachts Wächter in einer kleinen Hütte auf dem See. Auf unserer Fahrt kamen wir an einer grossen schönen Villa vorbei und legten einen Halt ein um uns die Villa anzusehen. Die Bauherren haben sich einen der schönsten Orte am See ausgesucht. Drei Villen sind bereits gebaut, neun sollen es zum Schluss sein. Der Eigentümer hofft sie verkaufen zu können. Er selbst kommt ein bis zweimal pro Jahr auf Urlaub, sonst stehen sie das ganze Jahr leer. Ein Angestellter hat uns eines der Häuser gezeigt. 10 Zimmer davon 5 Schlafzimmer mit je einem Badezimmer, 1 Fernsehzimmer, eine Küche von der auch wir nur träumen können, ein Schwimmbad, rund um das Haus eine Veranda usw. Die Häuser stehen in keiner Verhältnismässigkeit zur Armut ringsherum. Die Armut ist ein grosses Problem in Sri Lanka. Prijante erzählte uns, dass viele junge Männer und Frauen nach dem Schulabschluss keine Ausbildung machen wollen oder können. Viele von ihnen heiraten sehr jung, gründen Familien und haben mit der schlechten Ausbildung keine Chance je einen einigermassen guten Arbeitsplatz zu erhalten.

18.09.06
Die letzten Tage haben wir uns immer wieder mit Dajratne und Prijante über ein viertes Haus für jene Frau, die von ihrem Ehemann verlassen wurde unterhalten. Ursprünglich wollten wir ihr ein Häuschen auf ihrem Grundstück am Fluss erstellen. Da wurde ihr das Wegrecht von ihren Nachbarn verweigert. Dann überprüften wir einen eventuellen Neubau auf einem andern Grundstück. Es stelle sich heraus das es im Sumpfgebiet liegt. Dajratne hörte dann von einer Frau die ihr altes Haus verkaufen wollte, da sie das Geld benötigt. Sie wohnt jetzt bei ihrem Sohn und das Haus steht leer. Die Frau verlangte einen Preis der unser Budget überstieg. Da sie jedoch das Geld benötigt hofften wir auf einen Preisnachlass.
Heute Morgen trafen wir uns mit ihr in Prijantes Haus. Nachdem sich dahin ziehenden freundlichen Austausch über viel unwichtiges, kam der geschäftliche Teil. Prijante fragte sie wie viel sie für den Verkauf des Hauses brauche und bat sie um einen guten Preis. Sie schrieb denselben Betrag den wir bereits kannten auf ein Papier. Prijante schrieb einen tieferen, unserm Budget angepassten Preis darunter. Die Frau lachte, stand auf und machte Anstalten zu gehen. Prijante beruhigte sie und sie setzte sich wieder hin. So ging das einige male hin und her. Wir schrieben ihr den allerletzten Preis den wir bezahlen wollten und konnten auf. Darin hatten wir bereits den Betrag eingerechnet, den sie noch anheben würde. So trafen wir uns ca. in der Mitte unserer Vorstellungen. Sie war nicht ganz zufrieden da sie sich mehr Geld erhoffte. Auch wir waren nicht ganz zufrieden weil es uns an die Grenze des Budgets bring. Das Haus ist der Preis auf jeden Fall wert. Es ist solide gebaut, besteht aus zwei Zimmern und einem angebauten Schopf zum kochen. Strom ist vorhanden. Auch ein wenig Land für einen Garten gehört dazu. Wir sind froh, dass wir nicht mit noch einem Hausbau beginnen müssen. Dazu kommt, dass das gekaufte Haus nur wenig mehr kostet als ein kleines neues Haus.
Auf der Baustelle des ersten Hauses wurde nach uns gefragt. Das Haus ist fertig aufgemauert, nun ist der Schreiner an der Arbeit. Auch er erledigt sämtliche Arbeiten ohne Maschinen. Der erste Dachbalken mit der Glücksmünze wurde heute gesetzt. Diese Geste soll dem Haus und seinen Bewohnern Reichtum bescheren.
Anschliessend machten wir uns auf den Weg zur Bank. Seit dem letzten Vorfall waren wir nicht mehr dort. Der junge Bankangestellte empfing uns und bot uns einen Stuhl an. Er entschuldigte sich immer wieder für sein Verhalten nach unserm letzten Bankbesuch. Er bedauerte sein Misstrauen uns gegenüber und dass er auch noch den Rucksack nach eventuell verborgenem Geld durchsucht habe sehr. Inzwischen ist er sich im klaren, dass er zuerst auf der Bank und bei den Angestellten richtig nachsieht. Die Bankangestellte hatte das fehlende Geld nicht an den richtigen Ort gelegt. Wundert uns das? Wir haben ihm erklärt, dass nicht die Kontrolle sondern der Ort der Kontrolle für uns ein Problem war. Er und seine Mitarbeiter sind froh und dankbar, dass wir uns nicht beim Bankdirektor beschwert haben. Es hätte sie die Arbeitsstelle kosten können. Es ist gut, dass sie in den Büros oben nicht immer wissen was unten läuft. Auf jeden Fall wurden wir heute sehr zuvorkommend behandelt. Er wollte uns auch gleich noch ein Haus von einem Schweizer der zurück in die Heimat geht verkaufen. Trotz all den Freundlichkeiten und Hilfsbereitschaft dauerte unser Bankaufenthalt nicht weniger lang als letztes Mal. Uli zählte dieses Mal die Geldbündel gut.
Beim anschliessenden Besuch beim zweiten und dritten Haus im Dorf ging es wieder etwas lockerer zu. Sie haben bereits den ganzen Tag auf uns gewartet und wollten wissen was uns den solange aufgehalten hat. Kaum waren wir da, brachten sie von einem Haus Kokosnüsse, vom andern spezielle Bananen. Es ist eine seltene Sorte mit rötlicher Schale und sehr süss. Normalerweise werden sie beim Besuch im Tempel als Geschenk an die Gottheiten mitgenommen. Da sie sehr nahrhaft sind werden sie auch als Nahrung für die Kleinkinder eingesetzt. Man stelle sich das bildlich vor: da essen zwei wohlgenährte weisse Leute, umgeben von vielen freundlichen dunkelhäutigen Menschen Babynahrung! Inzwischen haben wir auch herausgefunden, wer von den vielen Menschen zu welcher Familie und in welches Haus gehört. Unsere mitgebrachten Ballone waren nicht nur bei den Kindern begehrt. Das kleine aufgeweckte Mädchen hat gut beobachtet und uns auf jeden aufmerksam gemacht, der noch keinen Ballon erhalten hat. Die Bauarbeiten an beiden Häusern gehen gut voran. Die Witfrau zeigt ihre Freude indem sie mich (Pia) immer wieder in die Arme schliesst. 
Zurück in Prijantes Haus wartete bereits der Notar, die noch Eigentümerin und die zukünftige Besitzerin des Hauses auf uns. Hochoffiziell wurde das Haus und das dazu gehörende Land an die allein erziehende Mutter überschrieben
 und von Uli bar bezahlt. Diese ist überglücklich über das grosszügige Geschenk, hat das Haus jedoch noch nicht gesehen. Dajratne wird es ihr erst morgen zeigen. Wir haben ihr jedoch versichert, dass es ein schönes und gutes Haus ist. Da wir kein Geld mehr haben um Arbeiter für die Garten Rodung und Malerarbeiten zu bezahlen, werden die neue Eigentümerin, Prijante, Dajratne und wir zwei Hand anlegen müssen.

19.09.06
Heute früh entsorgte Uli unseren Abfall indem er ihn im Garten verbrannte. Dies ist nicht sehr umweltfreundlich, dessen sind wir uns bewusst. Die Alternative wäre gewesen ihn irgendwo auf einen bereits beachtlichen Abfallberg auf einem fremden Grundstück hinzuwerfen. Die Abfallentsorgung in Sri Lanka ist eine Geschichte für sich. Das Wort Verbrennungsanlage ist hier ein Fremdwort. Irgendwo an der Strasse entsteht auf einmal eine Mülldeponie. Das geht solange bis sich die Nachbarn über den Gestank beschweren. Der Abfall wird verbrannt und irgendwo an einer anderen Hausecke oder direkt am Strassenrand entsteht ein neuer Müllberg. Es gibt zwar Männer die der Hauptstrasse entlang den Müll einsammeln. Sie laden jedoch nur das auf den Lastwagen was ihnen direkt gebracht wird und was zu kleinen Haufen zusammen gewischt ist. Den Lastwagen entleeren sie dann irgendwo im Busch. Wird der Gestank den Bewohnern rund herum zuviel beschweren sie sich, zünden den Abfall an und das Ganze beginnt an einer anderen Stelle von vorne.
Um 9 Uhr begannen die Reinigungsarbeiten am vierten Haus. Die Besitzerin sah ihr neues Heim zum ersten Mal und war sehr glücklich darüber. Viele Nachbarn kamen um zu sehen was da vor sich ging. Nachdem ihre Neugier gestillt war, holten sie Besen aus ihren Häusern oder banden Palmblätter an einem Holzstecken als Besen zusammen und das Putzen konnte beginnen. Die liegen gebliebenen Gegenstände der Vorgängerin (Glasflaschen, Plastiktaschen, Holzreste, alte Kleider, defekte Tontöpfe usw.) wurden auf dem unbewohnten Nachbar Grundstück auf einen Haufen geschmissen. Die einen reinigten mit Besen die Wände, Hausdach und Boden im Haus, die anderen machten sich mit Äxten und grossen Messern daran, den Busch zurück zuschneiden um das Haus etwas freizustellen. Zum einen damit mehr Licht zum Haus kommt, zum andern ist der vom Busch überwachsene Boden wegen giftigen Tieren eine Gefahr. So wird um die Häuser herum immer alles zurück geschnitten und ausgerissen. Jeden Morgen früh sind die Frauen damit beschäftigt sämtliche Äste und Blätter um das Haus herum wegzuräumen.
Uns graute ein wenig davor, was bei der Hausreinigung an eventuellem Ungeziefer uns begegnen könnte. Bei gewissen Tierchen wagte ich nicht mehr weiter und war froh und dankbar Uli an meiner Seite zu haben. Auch Dajratne und Prijante leisteten ihren Teil an Aufräumarbeiten. Am hinteren Hausteil war von der angebauten Lehmhütte (Küche) die Hälfte zusammengestürzt. Diese wurde als Auffüllmaterial um das Haus herum benutzt.
Chaminde kaufte zwei Eimer mit Farbe, ein Nachbar brachte eine selbstgebaute Leiter und Prijante besorgte 4 gebrauchte Pinsel und der Aussenanstrich konnte beginnen. Ohne die Hauswände vorher zu reinigen oder zu waschen begannen die Männer zu malen. Die Sicherheitsvorkehrungen waren nicht SUVA konform. Zuerst wollten wir nur ein schwarz-weiss Foto des neu gestrichnen Hauses veröffentlichen. Aber wir sind für die Farbenwahl ja nicht zuständig. Dajratne ist der Meinung, dass die gelbe Farbe unter dem Giebel das Haus grösser erscheinen lässt.
Das Wetter war heute besonders feuchtheiss und wir waren von der Reinigung schmutzig und verschwitzt. Um 14 Uhr hatten wir nur noch den Wunsch zu duschen. Eine Stunde mussten wir jedoch noch in der Hitze ausharren bis Chaminde uns abholte. Er hatte sein Tuk Tuk in Reparatur. Heute war es uns egal, dass das Duschwasser kalt ist. Am frühen Morgen benötigen wir jeweils etwas mehr Mut unter das kalte Wasser zu stehen. Nach der wohltuenden Abkühlung machten wir uns mit dem Wissen, dass in der Schweiz auf Berichterstattung gewartet wird, auf den Weg zum Internetshop. Anschliessend gönnten wir uns eine Kanne Tee in der kleinen Bar am Strand. Da gehen wir abends öfters zum Essen hin. Wolken zogen auf und der Himmel wurde fast schwarz. Innert kürzester Zeit erlebten wir einen Riesensturm. Der Wind peitschte den Regen quer übers Land. Es war ein grandioses Erlebnis. Das rauschen des Meeres übertönte alles und die Wellen schäumten sich meterhoch. Das Ganze dauerte ca. 30 Minuten. Auf dem Nachhauseweg im Tuk Tuk durch den Busch waren die vielen Schlaglöcher auf den Strassen vor lauter Wasser nicht mehr zu sehen. Die Stechmücken sind immer allgegenwärtig und eine Plage. Aber nach so einem Regen kann man sie fast nicht mehr abwehren und bleibt am besten im Haus.

20.09.06
Seit gestern überlege ich mir schwer, ob ich hier meine berufliche Karriere aufbauen soll. Bei den Bauarbeiten im Dorf ist einem Mann ein Ziegelstein auf den Fuss gefallen. Die Leute haben jemanden losgeschickt um mich beim vierten Haus (ca. 10 Gehminuten) zu holen. Der Fuss war leicht angeschwollen und auf der Aufschlagstelle war eine kleine offene Wunde. Da die meisten Leute barfuss gehen musste der Fuss zuerst einmal gewaschen werden. Die Wunde benötigte lediglich etwas Desinfektionsmittel und einen kleinen Verband. Ernsthaft haben sie mich gefragt, ob ich ein Doktor sei. Da würde sich doch nur schon der Titel lohnen. Bezahlt würde ich dann wahrscheinlich mit Bananen, Papayas und Kokosnüssen.
Am frühen Morgen erleben wir jedes Mal dasselbe Ritual. Als erstes jagt Nachbars Hahn sein Hühner Harem laut krähend durch unseren Garten. Wenn wir gemütlich im freien unseren Frühstückskaffee geniessen, dürfen wir des anderen Nachbarn Grosskind über den Gartenzaun hinweg begrüssen und bewundern. Heute mussten Prijante und Dajratne fast eine Stunde auf uns warten. Der Grund unserer Verspätung lag daran, dass wir fast eine Stunde auf Chaminde und sein Tuk Tuk warteten. Er hatte irgendwo irgendetwas zu erledigen. Nicht gerne warten scheint hier nur unser Problem zu sein. Alle anderen haben Zeit. Bei der hohen Arbeitslosigkeit ist das nicht erstaunlich. Die Kultur und das tropische Klima sind sicher auch ein Grund dafür.
Als erstes gingen wir zum vierten Haus. Unsern gestrigen Vorschlag, die Hausinnenwände vor dem blau-gelben Anstrich zu waschen ist wohl auch Kulturbedingt überhört worden. Heute früh stand das innen und aussen frisch gestrichene Haus in seiner ganzen Farbenpracht da. Einzig die Fenster und Türrahmen mussten noch lackiert werden. Die Arbeitsaufteilung finden wir auch ganz interessant. Zwei Männer arbeiten und mindestens sieben schauen zu.
Auf dem Nachbar Grundstück von Haus vier steht ein seit längerer Zeit ungenutzter Brunnen. Er war nicht abgedeckt. So war es nicht erstaunlich, dass das Wasser durch herabgefallene Blätter und sonstigen Unrat schmutzig und unbrauchbar geworden ist. Steht auf einem Grundstück ein Brunnen, darf das Wasser von allen Menschen genutzt werden. Es ist jedoch kein Trinkwasser. Es wir zum duschen, waschen, putzen und Geschirrspülen genutzt. Zwei Männer machten sich mit ihren an Schnüre gebundenen Eimer daran, das Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen. Zu Beginn war es einfach Schmutzwasser. Mit der Zeit wurde es dunkler und stinkig. Zu Schluss brachten sie Eimerweise, nach Gülle riechendem Schlamm hervor. Um den ganzen Brunnen zu entleeren und von innen zu reinigen musste einer der Männer in den Brunnen steigen. Da waren wir froh, auf der Zuschauerseite zu sein. Wenn er ausgeschöpft ist, füllt er sich wieder langsam mit Grundwasser. Meistens ist das Wasser nach zwei- bis dreimaligen ausschöpfen sauber. Jeder Brunnen wird ca. einmal im Jahr ausgeschöpft und gereinigt. Um das Wasser einigermassen sauber zu halten werden drei Dinge benötigt. Ein spezieller Fisch der den Unrat frisst und die Wände sauber hält. Sollte er eines Tages tot im Wasser liegen wissen die Menschen, dass das Wasser verseucht ist. Eine ins Wasser geworfene spezielle Blume dient der Desinfektion und ein Stück Kohle entzieht dem Wasser die schlechten Gerüche.
Beim zweiten und dritten Haus werden bis heute Abend die Mauerarbeiten beendet sein. Morgen kann der Schreiner mit seiner Arbeit beginnen.
Beim ersten Haus sollte morgen mit dem Decken des Daches begonnen werden.
Wo wir auch sind und wohin wir auch gehen kommen Menschen mit Bittschriften und direkten Anfragen zu uns und Prijante. Er übersetzt uns dann jeweils ins Englische. Er nimmt jede Anfrage erst und wenn möglich begleiten wir die Menschen zu ihren Häusern um uns die geschilderte Situation anzusehen. Dabei geht es darum, um ihnen zu zeigen, dass auch wir sie ernst nehmen. Zum anderen aber auch um uns ein Bild der Situation zu machen. Zurzeit gibt es weniger Anfragen wegen der Tsunami Schäden. Vielen von ihnen wurde bereits auf irgend eine Weise geholfen. Viele der jetzigen Bittsteller sind teils sehr verarmte Leute. Oft sind es auch Menschen die um Geld für notwendige Medikamente bitten. Zwar können sie sich in Regierungsspitälern gratis untersuchen und behandeln lassen. Eigentlich sollten sie auch die Medikamente gratis erhalten. Oft verkaufen die Ärzte die Medikamente unter der Hand weiter und kassieren das Geld für sich. Den Patienten schreiben sie Rezepte für die Apotheken aus. Dort verlangen sie natürlich Geld für die Medikamente.
Beim nachprüfen der Bittsteller treffen wir auch oft auf Menschen die gar keine Hilfe benötigen sondern nie mit dem was sie haben zufrieden sind. Wir begleiteten heute eine Frau zu ihrem angeblichen Tsunami- Haus am Fluss. Sie hat gesagt, dass sie noch keine Unterstützung erhalten habe. Von ihrem ehemaligen Haus steht nur noch das Fundament. Ihre beiden verheirateten Töchter erhielten neben dem alten Haus je ein schönes neues geräumiges Haus. Die Frau wohnt bei einer ihrer Töchter, sie jedoch will ein Haus für sich. Solchen Menschen sagen wir direkt, dass wir das für undankbar halten.

21.09.06
Heute präsentierte sich der Himmel strahlen blau und die Sonne schien aus voller Kraft. Es war bereits am frühen Morgen sehr heiss. Wie jeden Morgen gingen wir nach dem Frühstück zu Fuss die ca. 2 km lange Wawalagoda Strasse hinunter zur Hauptstrasse und da noch mindestens 1 km der Strasse entlang zum Internetshop zu gelangen. Unterwegs treffen wir oft dieselben Menschen an.  Es sind Leute die auch an der Wawalagoda Strasse wohnen. Ein Grossteil des Lebens spielt sich auf der Strasse ab. Die einen kaufen ein, die anderen unterhalten sich mit Nachbarn, andere trifft man beim Zähneputzen, Geschäftsleute halten Ausschau nach kaufwilligen Touristen und Frauen hängen die gewaschenen Kleider auf. Wir sind so oft die Strasse hoch und herunter gegangen, dass uns die Menschen in der Zwischenzeit kennen. Die meisten grüssen freundlich und die Kinder fragen nach Bonbons. Mit Süssigkeiten zu verteilen haben wir erst gar nicht begonnen. Wenn man etwas verteilt spricht sich das sehr schnell herum. Es wäre ein täglicher Süssigkeiten verteilender Hindernislauf die Strasse hinunter. An der Wawalagoda Strasse wohnt auch der kleine taubstumme Mann (Foto vom letzten Jahr). Er fertigt von Hand kleine Kanus her, die er den Touristen zu verkaufen versucht. Wir kennen ihn seit unserm ersten Aufenthalt hier. Seine auch taubstumme Frau wurde vor einigen Jahren von der Eisenbahn überfahren. In seinem winzig kleinen Holzhäuschen bastelt, kocht und wohnt er. Nun haben die Eigentümer, die auf demselben Grundstück ein Haus besitzen alles mit einer grossen Mauer eingezäunt. Nun haben sie ihm die Sicht zur Strasse auch noch genommen und in sein Häuschen gelangt kein Tageslicht mehr. Trotz allem ist er immer fröhlich und lachend anzutreffen.
Am Morgen funktionierten wie so oft die Telefonleitungen nicht und wir mussten den Internetshop unverrichteter Ding wieder verlassen.
Es ist gut, dass wir uns jeweils am Morgen bei Prijantes Haus treffen. Vor unsern Rundgängen zu den verschieden Baustellen kann ich (Pia) noch die Toilette benutzen. Nachher wird das etwas schwieriger. Es gibt dann nur noch zwei Möglichkeiten. Ab in den Busch oder verklemmen. Der Busch bekommt mir nicht so gut, das habe ich bei der grossen Mückenplage auch dieses Jahr wieder erfahren. Prijantes WC ist eine kurze Vorstellung wert. Es liegt ca. 50 m vom Haus entfernt. Wie die meisten Toiletten hier ist es ein Plumps Klo. Steht ein Stück Holz aussen an die Türe angelehnt heisst es, dass es zur Benutzung frei ist. Innen an der Türe ist eine Schnur festgemacht, die man um einen Nagel wickeln muss um die Türe zu schliessen.
Beim ersten Haus sind die Maurer dabei die Wände zu verputzen. Der Schreiner sollte die Dacharbeiten bis am Abend beendet haben. Türen- und Fensterrahmen sind gesetzt. Am 25.09 sollten alle Arbeiten soweit beendet sein, dass die Eröffnung und Einweihung stattfinden kann.
Auch beim zweiten und dritten Haus werden bereits die Wände verputzt. Tür- und Fensterrahmen sind gesetzt. Morgen sollte der Schreiner mit den Dacharbeiten beginnen. Beim zweiten Haus haben sie um 6 Uhr morgens den Dachbalken mit der Glücksmünze gesetzt.
Beim vierten Haus sind die Arbeiten abgeschlossen, nur der Brunnen muss noch zweimal ausgeschöpft werden. Heute Morgen entstanden wegen der Einweihung lange Diskussionen in singhalesisch. Auch wenn wir kein Wort verstehen merken wir doch recht oft um was es geht. Die Singhalesen sprechen nicht einfach nur so. Der Ausdruck der Mimik, vor allem der Augen lässt viel des gesprochenen erraten. Dajratne stellte sich vor am 28.09. eine kleine Party zur Eröffnung des Hauses zu machen. Die Familie der Frau will jedoch, wie es die Tradition vorschreibt, dass am 28.09. ein kleines Fest zum Auszug veranstaltet wird. Nun ist die Frau ja arm und weis nicht wie sie zwei Feste bezahlen soll. Wir sind der Meinung, dass die traditionelle Auszugsparty ok ist und eine zweite sich erübrigt.
Den freien Nachmittag verbrachten wir im Schatten und unter dem Ventilator. Bei über 35° und einer fast 100%tigen Luftfeuchtigkeit wurde es auch uns zuviel etwas zu Unternehmen.

22.09.06
Wir sind bestens betreut und beobachtet. Jeder weis was wir machen und wo wir sind. Normalerweise stehen wir um 6 Uhr früh auf. Heute wurde es fast 8 Uhr. Beim Vorbeigehen sprach uns der Nachbar wegen unserm späten Aufstehen heute an. An einer gespannten Schnur bei seinem Garten zeigte uns eine kleine Echse ihre künstlerischen Fähigkeiten.
Bei Prijantes Haus erwarteten uns bereits 5 Frauen um uns von ihren Problemen zu erzählen. Eine nach der andern wurde gebeten einzutreten, sich auf einen speziell bereitgestellten Stuhl zu setzten und ihr Anliegen vorzutragen. Inzwischen sind es oft allein stehende ältere Frauen die uns ihr Leid klagen. Zwei von ihnen wollten uns Land verkaufen. Ihre Vorstellung, dass wir anschliessend Häuser darauf bauen könnten, mussten wir enttäuschen. Mit dem Einzug der neuen Technologien wie Fernsehen, Handy, usw. verändert sich auch das soziale Verhalten der Menschen. Lebten sie früher selbstverständlich in Grossfamilien, werden heute die Ansprüche immer grösser und für die alten Menschen ist kein Platz und keine Zeit mehr vorhanden. Viele von ihnen sind auf sich alleine gestellt und wissen fast nicht wie sie das Leben bewältigen können. Unsere finanziellen Möglichkeiten sind definitiv ausgeschöpft. Nun versucht Uli als Tuk Tuk Fahrer etwas dazu zu verdienen. Wie ihr sehen könnt ist er glücklich dabei und es macht ihm Spass. Da das Tuk Tuk weder Fenster noch Türen hat, weht beim Fahren immer ein kühler Wind. Bei Dunkelheit sollte uns letzthin ein uns unbekannter Fahrer in seinem Tuk Tuk nach Hause fahren. Entweder hat er uns nicht verstanden oder er wusste nicht wo die Wawalagoda Strasse ist. Es gibt hier unzählige kleine Strassen durch den Busch die schlecht beleuchtet sind. Der Mann hat sich verfahren und wir hatten zuerst keine Ahnung mehr wo wir sind. Zum Glück besitzt Uli einen ausgeprägten Orientierungssinn. Ich wäre hoffnungslos verloren gewesen.
Beim ersten Haus werden die Wände verputzt und das Hausdach ist bald fertig erstellt.
Beim vierten Haus wurde der Brunnen noch einmal ausgeschöpft. Das Wasser ist jedoch noch nicht sauber genug. Sie werden ihn ein bis zwei weitere Male ausschöpfen müssen.
Beim zweiten und dritten Haus verweilen wir immer am längsten. Der Grund liegt daran, dass wir uns dort jederzeit willkommen und wohlfühlen.  Inzwischen sind auch die Kleinsten zutraulicher geworden und ich habe eine neue kleine Freundin gefunden. Hier wächst ein Baum der Bohnen ähnliche, jedoch ungeniessbare Früchte trägt. Sind die Früchte reif trocknen sie aus. Die Hülsen biegen sich und bringen wunderschöne rot-orangene Samen zum Vorschein. Dajratne erklärte uns, dass die Samen die Farbe und die Konsistenz beibehalten und sie sich gut eignen um Schmuck daraus zu machen. Die Leute vom Dorf sammelten die Samen für mich ein. Ein Mann brachte eine extra für mich angefertigte Kette. Auch eine kleine Flasche hausgemachtes reines Kokosöl haben wir erhalten. Zum kochen ist es ungeeignet. Es wird zur Hauptsache für Massagen, Haar- und Körperpflege benutzt. Sri Lanka ist bekannt für sehr gute und heilende Massagen.
Da der Schreiner heute noch beim ersten Haus beschäftigt war, wurde an beiden Häusern mit dem Hausverputz weiter gearbeitet.
Nachts kann uns kein Mensch etwas anhaben, denn wir haben einen persönlichen Nachtwächter. Seine Arbeitszeit dauert von 18 Uhr abends bis 6 Uhr morgens. Er ist zwischen 60 und 65 Jahre alt. Wir kennen ihn bereits vom letzten Jahr. Sein Auftrag lautet, Nachts das Haus und seine Bewohner zu beschützen und regelmässige Kontrollgänge um das Haus zu machen. Das äusserliche Erscheinungsbild entspricht nicht unsern Vorstellungen eines Securitas Wächters. Wie viele Singhlesen ist er von schmalem und nicht grossem Körperbau. In seinem Verhalten ist er sehr unterwürfig. Er mag es, wenn wir ihm Gesellschaft leisten. Kurz nachdem wir uns gegen 22 Uhr verabschieden um schlafen zu gehen, breitet er seine Schlafmatte vor der Eingangstüre aus und ist wohl schneller im Schlaf versunken als wir.
Meistens gehen wir zum Nachtessens im Dorf in das kleine Strandkaffee. Für uns ist das Essen auswärts günstig. Dazu kommt, dass wir unsere Küche aus hygienischen Gründen nicht nutzen können. Ab und zu kommt es vor, dass wir Zuhause essen. Dann gibt es Butterbrot mit Schmelzkäse. Wir haben unsern immer hungrigen Nachtwächter eingeladen mit uns zu essen. Reis mit Curry ist die Grund- und Hauptnahrung der Singhalesen. Sie essen es bereits zum Frühstück. Wir waren gespannt, ob unser Nachtwächter das Käsebrot überhaupt isst. Seinem Gesichtsausdruck nach war es nicht schlecht. Inzwischen wartet er jeden Abend auf sein Käsesandwich und isst es mit Vergnügen.

23.09.06
Heute sind wir um 7 Uhr gemeinsam mit Dajratne, Prijante und einem extra dafür engagierten Fahrer in seinem VW Bus nach Colombo aufgebrochen. Dajratne benötigte eine grössere Menge Tee für sein Geschäft, Prijante wollte ein Videogerät kaufen. Wir kennen von unserm ersten Sri Lanka Besuch ein sehr schönes Geschäft mit guten und günstigen T-Shirts. Zudem wollten wir einmal etwas anderes sehen. Ca. um 9 Uhr verspürten unsere Begleiter Hunger. In einem bereits gutgefüllten Selbstbedienungsrestaurant bedienten sie sich am warmen Buffet und füllten die Teller mit Reis, Nudeln, Fleisch und Currylinsen. Wir haben es bei Tee und Brötchen belassen und hatten so etwas Zeit, das Geschehen zu beobachten. Beim Eintreten in das Restaurant waschen sich alle zuerst die Hände. Mit ihren gefüllten Tellern setzen sie sich an einen Tisch um zu essen. Für uns ist es nach wie vor ein etwas ungewohnter Anblick wenn alle Leute von Hand essen. Dabei benutzen sie nur die rechte Hand. Sie mischen das Essen durcheinander und kneten es zu kleinen Knollen. Um einigermassen sauber zu Essen gibt es einen bestimmten Trick um die Nahrung in den Mund zu bekommen. Uns gelingt das nicht immer. Dann wird die ganze Mahlzeit etwas unordentlich und unappetitlich. Nach dem Essen räumt jeder seinen Teller ab und spült sich die Hände.
Die Fahrt nach Colombo dauert normalerweise ca. 3 Std. Da es gestern in oder um Colombo einen Bombenanschlag gab, war die Polizei allgegenwärtig. Vor Colombo errichteten sie einen Kontrollposten. Alles was in die Hauptstadt hinein wollte musste sich ausweisen und die Fahrzeuge wurden kontrolliert. Bei den immer total überfüllten Bussen mussten alle Leute mit samt ihrem Gepäck aussteigen und in Einerkolonne zur Ausweiskontrolle anstehen. Die Privatautos wurden etwas weiter entfernt durchsucht. Unsere Begleiter mussten aussteigen und ihre Papiere vorweisen. Da wir sitzen bleiben durften wurde das Auto um uns herum durchsucht. Bei dem vielen Verkehr und der sehr speziellen Fahrweise (jeder drängt, überholt links und rechts und will der erste sein) brach das totale Chaos auf der Strasse aus. Es gab kein Vorwärtskommen mehr. Auf einer Kreuzung waren die Fahrzeuge wie ein Reissverschluss ineinander verkeilt. Nach 5 ½  Std. erreichten wir unser Ziel doch noch. Damit Dajratne seine Einkäufe in Ruhe tätigen konnte stiegen wir in ein Tuk Tuk um. Der Fahrer wurde von Dajratne angewiesen wohin er uns überall bringen soll. So waren wir bestens aufgehoben. Während unserm Einkauf waren wir auch in einem Internetshop. Unser Versuch den Bericht zu senden schlug fehl. Das Problem lag beim Server in der Schweiz. Um 16 Uhr wollten sie uns für die Heimfahrt wieder abholen. Wir warteten dann die uns bereits bekannte Stunde bis 17 Uhr. Für uns ist die Hauptstadt nur gross, laut, stickig und voller Abgase. Auf der Heimfahrt verspürten die Männer abermals Hunger. Damit sie nicht auf ihr gewohnt scharfes Essen verzichten mussten und wir nicht wieder nur zusehen mussten, wiesen sie und kurzerhand in ein Kaffee mit Süssigkeiten. Sie verpflegten sich auf ihre gewohnte Art nebenan.

24.09.06
Es ist vollbracht! Seit wir hier sind versuchte Uli vergeblich, von den Affen ein brauchbares Foto zu machen. Zwar hören und sehen wir sie. Da sie immer in den Bäumen leben sind sie auf den Fotos vor lauter Blättern nicht zu sehen. Heute war Uli’s Glückstag, das erste gute Affenfoto ist ihm gelungen.
Das erste Haus ist fertig gebaut. Es fehlen nur noch Fenster und Türen. Die Eigentümer haben mit dem Aussenanstrich begonnen. Dazu verwenden sie Pulver aus Korallen hergestellt, Wasser, Salz und eine Farbe die sie aus der Natur gewinnen. Die Farbe ist eher dünnflüssig und nicht so gut deckend wie jene Farben die wir kennen. Sie sind auch nicht so beständig. Da das Material alles aus der Natur kommt, können sie die Häuser jeweils wieder fast gratis anstreichen.
Beim zweiten Haus sind die Dachbalken befestigt. Der Baumeister muss ein Teil der Mauerarbeiten ausbessern bevor das Dach zu Ende gemacht wird. Beim dritten Haus sind die Mauerarbeiten in Ordnung und der Schreiner kann dort mit der Arbeit weiterfahren.
Ein junger Mann im Dorf hat uns gebeten ihr Haus anzusehen. Es ist ein altes mit Palmblättern gedecktes Lehmhaus, bestehen aus zwei Zimmern und einer Küche. Es wird von den Eltern und ihren 6 Kindern bewohnt. Zum schlafen legt jedes seine Bastmatte irgendwo auf den Boden. Im Hausinnern ist es sehr heiss und der Rauch vom Feuer der Kochnische macht einem das Atmen schwer. Es ist eines der ursprünglichen Häuser wie man sie hier noch öfters trifft.
Unterwegs bat uns ein invalider Mann im Rollstuhl um etwas Geld. Es ist nicht das erste Mal, dass wir ihm eine Kleinigkeit geben. Heute bat ich ihn darum, ein Foto machen zu dürfen. Mit einer Handkurbel, die durch eine Fahrradkette mit den Rädern verbunden ist kann er seinen Rollstuhl zum fahren bringen.
Zum Mittagessen waren wir bei Roschan und seiner Familie, denen wir letztes Jahr mit einem Hausbau einen neuen Start ermöglichten, eingeladen. Das Essen war um 13 Uhr auf dem Tisch angerichtet. Sogar genügend Teller und Stühle waren aus der Nachbarschaft organisiert worden. So konnten alle um 15 Uhr, jeder seinen Teller in der Hand irgendwo auf einem Stuhl sitzend gemeinsam die Mahlzeit beginnen. Sonst isst man aus Tellermangel immer Etappenweise. Roschan und seine Frau Anuscha sind zwei kompetente junge Menschen die sich gemeinsam bemühen aus ihre Leben etwas zu machen. Roschan hat in einer Kleiderfabrik Arbeit gefunden. Der Verdienst ist sehr klein doch wenigstens regelmässig. Anuscha näht Zuhause Kleider und verschönert sie mit Motiven. Besonders gut gelingen auch die Patchwork Sachen. Sie ist dabei sehr kreativ und geschickt. Ihrer kleinen Tochter Taruschi hat sie aus einem Bettlaken ein schönes Kleidchen genäht. Sie fertigt alles von Hand ohne Nähmaschine an. Ein Geschäft hat sich bereiterklärt ihre Sachen zu verkaufen. Da die zwei sich echt für eine bessere Zukunft einsetzten und um Anuschas Talent nicht ungenutzt zu lassen, haben wir uns entschlossen von uns privat eine Nähmaschine für sie zu kaufen.
Wir haben sie immer wieder in unsern Berichten erwähnt. Heute möchten wir Prijante und Dajratne so wie wir sie erleben kurz vorstellen.
Prijante ist ca. 40 Jahre alt. Er war Soldat in der Armee und wurde vor einigen Jahren bei einem Bombenangriff am Bein, in der Schulter und am Kopf verletzt. Seither leidet er an einem Hörschaden. Ein Hörgerät ermöglicht ihm ein einigermassen normales Verstehen. Als Kriegsverletzter erhält er eine monatliche Armeerente von nicht ganz hundert Franken. Er ist unser Finanzchef. Sämtliche Ausgaben vom Geld das wir ihm geben schreibt er peinlichst genau in ein Heft. Das zu schreibt er das Datum, wozu das Geld ausgegeben wird und wann mit welchen Arbeiten begonnen wurde. Prijante ist mit Manel verheiratet und für seine zwei Töchter Dillci und Chamodi Vater aus Leidenschaft. Er ist ein sehr warmherziger, offener und fröhlicher Mensch. Nur schon seine leuchtenden Augen und sein herzliches Lachen machen ihn zu einem besondern Menschen. In allem was er tut, spürt man sein Herz und das Gefühl für die Mitmenschen.
Dajratne 51 jährig, ist eher der zurückhaltende Denker. Er ist unser Geschäfts- und Verhandlungsmann. Das ist nicht erstaunlich, da er zwei kleine fast nebeneinander liegende Geschäfte an der Hauptstrasse von Hikkaduwa betreibt. Eines mit Tee und Souvenirs, das andere zur Hauptsache mit CDs. Dajratne ist am Weltgeschehen interessiert und setzt sich damit auseinander. Viele Informationen holt er sich von den Touristen die seine Geschäfte besuchen. Er ist auch ein überzeugter Buddhist. Da die Wiedergeburt im Buddhismus verankert ist, ist er auch überzeugt, dass er alles was er in diesem Leben Gutes macht, ihm im Nächsten zu Gute kommt. Normalerweise übernimmt er den Verkauf im Teegeschäft. Im CD Geschäft beschäftigt er einen ca. 16 jährigen Burschen dessen Mutter vor Jahren mit einem anderen Mann durchbrannte und der Vater Alkoholiker ist. Er kümmert sich um den Jungen und gibt ihm somit eine Chance für einen bessern Start ins Leben. Dajratne ist mit Lalani verheiratet. Chanu ein Sohn aus ihrer ersten Ehe ziehen sie gemeinsam auf.

25.09.06
Ein langer Tag mit vielen Erlebnissen geht dem Ende entgegen. Wegen Stromausfall mussten wir den Internetshop unverrichteter Dinge verlassen. Der Vormittag war ausgefüllt mit dem Besuch im zweiten und dritten Haus. Die Mauerschäden sind ausgebessert und die Hausdächer nehmen langsam Form an. Vor ein paar Tagen unterhielten wir uns mit Dajratne über Naturheilmittel in Sri Lanka. Dabei erwähnte er eine Frucht, die sich bestens gegen Verstopfung eignet. Er kam meiner Bitte eine für mich zu besorgen nach. Heute erhielt ich im Dorf fünf solche Früchte geschenkt. Nun sind wir uns nicht sicher ob das reiner Zufall ist, oder ob die „Buschtrommeln“ am Werk waren.
An der Schule neben Prijantes Haus konnten wir heute mit den vielen aus der Schweiz mitgebrachten Bleistiften dankbare Abnehmer finden.
Anschliessend besuchten wir vier Häuser von Leuten die um Unterstützung baten. Es kommt uns wie ein nie endender Strom vor. Auch wenn wir noch Geld zur Verfügung hätten, wäre keiner der vier Antragsteller für Unterstützung in Frage gekommen. Eine Familie wollte anstelle ihres alten Lehmhauses ein neues Haus. Ein älterer Mann hätte gerne sein altes Mauerhaus auf unsere Kosten renoviert. Dann waren noch zwei jung verheiratete Paare die auch noch gerne je ein Haus hätten. Für das eine Pärchen stiegen wir einen ausgewaschenen, schlüpfrigen Hang hoch. Wenigsten das hat sich gelohnt. Der Bauplatz liegt mit einer wunderschönen Rundsicht auf einer Anhöhe. Im Geschichten erfinden und erzählen sind viele Singhalesen hervorragend. Beim überprüfen merkt man bald, was erfunden und was wahr ist. Der Tsunami muss auch unheimlich viele Fahrräder mit sich gerissen haben. Mit den Anfragen um Ersatz für die vermissten Velos könnte man eine ganze Fabrik aufkaufen. Aber es gibt natürlich viele die wirklich Not leiden. So trafen wir heute nicht zum ersten Mal einen alten Mann, der mühsam Alteisen einsammelt und so für sein tägliches Einkommen sorgt. Dabei ist er einer von jenen, die mit sich und der Welt zufrieden sind.
Unser Bankbesuch heute Mittag verlief erstaunlich schnell und mit persönlichem Service des jungen Bankangestellten. Inzwischen sind wir wohl vertrauenswürdig genug. Unsere Checks wurden nicht einmal mehr telefonisch nachgeprüft. Auch beim anschliessenden zweiten Besuch im Internetshop ging alles prompt und schnell. Chaminde unserm Tuk Tuk Fahrer hat es viel Freude bereitet, dass er am Morgen und am Nachmittag vor dem Internetshop auf uns warten durfte. Er hat sich in eine der jungen Mitarbeiterinnen verliebt. Es dauerte einige Zeit bis wir das merkten. Er hat nur immer Andeutungen gemacht, dass er gerne an Uli’s Stelle wäre und am Computer neben der jungen Frau sitzen könnte. Gar nicht verstanden hat er, dass Uli immer nur auf seinen Bildschirm schaute.
Wir haben bereits einmal geschrieben, dass Prijantes Frau aus Angst vor einer neuen Flutwelle weiter ins Landesinnere ziehen wollte. Gemeinsam mit Manels Bruder und seiner Frau haben sie im Landesinnern von Ambalangoda ein Haus gemietet. Drei Schlafzimmer, eine Wohnstube und eine Küche. Wenn es das Wetter und die Strassen zulassen pendelt Prijante zwischen Hikkaduwa und Ambalangoda. Sonst schläft er in seinem alten Haus in Hikkaduwa. Übers Wochenende weilte die ganze Familie in Hikkaduwa und wir hatten viel Spass zusammen. Weil die Mädchen uns noch einmal sehen wollten besuchten wir sie heute Nachmittag. Mit den Tuk Tuk dauert die Fahrt ca. 45 Minuten.
Mit dem Motorrad das Prijante besitzt geht es etwas schneller. Die wenigsten Leute können sich ein Auto leisten. Motorräder sind nur bis 250 qcm Stärke zugelassen. Sie sind sehr beliebt in Sri Lanka. Dabei werden sämtliche Sicherheitsmassnahmen übertreten. Viele der Motorräder sind alt und verrostet. Es gehört zum normalen Strassenbild Familien bis zu fünf Personen auf einem Töff zu sehen. Die Kinder, vom Säuglingsalter an eingeklemmt zwischen den Eltern, ohne Helm oder sonstigen Schutz.
Im Dorf von Prijantes neuem Wohnort gibt es einige Goldschmiede. So auch sein Nachbar. Der Einladung uns das Arbeitszimmer anzusehen sind wir gerne gefolgt. Die Aufträge für die Schmuckstücke erhalten sie von den Geschäften. Ausgeführt wird die Arbeit Zuhause auf privater Basis. Auf der Bank kaufen sie Gold und Edelsteine ein. In einem kleinen Topf auf einem eigens dafür gebauten speziellen Ofen wird das Gold geschmolzen und zu feinen Drähten gegossen. Jedes Schmuckstück wird in Handarbeit hergestellt. Wir hätten eine Skizze unseres Wunschschmuckes machen können und ihn dann in ca. 5 Tagen zum Ankaufspreis erhalten. So kann man die grosse Kommission der Geschäfte umgehen. Ein Gramm Gold kostet privat 2000 Rupien ca. 25 Franken.
Anschliessend besuchten wir noch einen der ältesten Tempel der Umgebung. Vor über 2500 Jahren erbaute ein reicher Dorfbewohner den Tempel zu Ehren des liegenden Buddha. Mit gut 35 m Länge ist es der Weltgrösste liegende Buddha. Ein junger Mönch erzählte uns noch die Geschichte, als vor ca. 1800 Jahren die Tamilien mit einem indischen Anführer gegen den singhalesischen König mit seiner Armee kämpften und verloren. Kleinere und grössere Tempel gibt es viele. Auf der Fahrt halten die Singhalesen immer wieder an, um bei einem an der Strasse erbauten Tempel etwas zu spenden und kurz zu beten. Wir haben Menschen beobachtet, die von einem langsam fahrenden Bus abgesprungen sind, Geld in die Kasse warfen, zwei bis drei Worte beteten und wieder auf denselben Bus aufsprangen.

26.09.06
Auf allen Baustellen gehen die Arbeiten dem Ende entgegen, so auch unsere Ferien. Das erste Haus ist soweit fertig. Mit dem Aussenanstrich geht es nicht so richtig vorwärts. Bei den zukünftigen Besitzern des Hauses ist es uns nicht gelungen, eine Beziehung aufzubauen. Sie sind eher distanziert.
Umso besser ist das Verhältnis zu den Menschen der anderen Häusern. Heute feierten wir eine kleine Einweihung beim vierten Haus. Da Tilaka sehr arm ist gab es ausser uns, Prijante, Dajratne und Chaminde keine anderen Gäste. Es wurden auch keine Mönche eingeladen. Das hat Tilaka die Freude am Haus nicht getrübt. Gemeinsam mit einer allein stehenden alten Frau hat sie im alten Haus die Kochvorbereitungen zum Fest getroffen und alles mitgenommen. Einen alten Tisch hat sie von jemandem zum Geschenk bekommen, Stühle und Teller wurden bei den Nachbarn ausgeliehen. Mitten in einem der zwei Zimmer entzündeten sie genau um 10 Uhr 31 ein kleines Feuer um das Glück des Hauses mit der überkochenden Kokosmilch zu erfahren. Und siehe da, die Milch überlief auf die allerbeste Seite. Anschliessend richteten die zwei Frauen das Essen an. In der Schweiz gelten dann auch für uns wieder andere Hygienevorschriften. Vor dem Essen übergab Tilaka abwechselnd jedem von uns eine Kerze damit jedes bei der auf dem Tisch stehenden Öllampe einen Docht anzünden konnte. Das Essen ist wie schon oft gehabt. Milchreis, Bananen, Süssigkeiten und gebratene Zwiebeln mit Sambal. Prijante sagte sie seien nicht scharf. Ich hatte nach einer Stunde noch Feuer im Mund. Als wir Tilaka kennen lernten war sie in sich zurückgezogen und hatte die Augen immer auf den Boden gerichtet. Heute begegnete uns eine ganz andere Tilaka. Mit strahlenden Augen und einem lachenden Gesicht hat sie sich von ganzem Herzen für das Haus bedankt. Sie sagte, dass ihr im Leben noch nicht viel Gutes zugekommen sei. Es sei der glücklichste Tag in ihrem Leben, sie werde ihn nie vergessen und ihn für einen Start in eine bessere Zukunft nutzen. Diesen Dank geben wir gerne an alle Spenderinnen und Spender in der Schweiz weiter.
Beim zweiten und dritten Haus sind die Hausdächer fertig. Der Schreiner ist mit der Anpassung und dem Einsetzen der Türen und Fenster beschäftigt. Jeden Tag ist es wie ein kleines Ereignis und Fest wenn wir ins Dorf kommen. Die kleinen Kinder werden aus dem Schlaf geweckt und Verwandte aus andern Dörfern kommen um die Freude mit ihnen zu teilen. Die Witfrau vom dritten Haus wollte uns heute einen ganzen Topf voller Eier schenken. Den haben wir jedoch dankend abgelehnt. Sie haben die Nahrung nötiger und wir wären mit so vielen Eiern überfordert gewesen. Sie kann den Einzug ins neue Haus kaum erwarten. Beim zweiten Haus arbeitet der 17jährige Sohn kräftig mit. Dabei stellt er sich bei allen Arbeiten sehr geschickt an. Prijante will versuchen, für ihn einen Ausbildungsplatz bei einem Schreiner oder Maurer zu organisieren.
Wie versprochen machten wir uns heute Mittag mit Anuscha auf den Weg um ihr eine Nähmaschine zu kaufen. Bei unseren Vorabklärungen vor ein paar Tagen stand ein einziges Modell im Geschäft. Es war eine versenkbare Tretmaschine wie wir sie aus Grossmutters Zeiten kennen. Sie ist sehr einfach in der Handhabung und robust. Mehr als gerade Nähte nähen bietet sie nicht. Für einen Aufpreis hätte man einen Motor dazu kaufen können. Heute standen zwei verschiedene Nähmaschinen Modelle im Geschäft. Die vorhin beschriebene und eine für hiesige Verhältnisse topmoderne. Auch das ist eine versenkbare Tretmaschine und ist robust gebaut. Sie hat jedoch einen Zickzack Stich und verschiedene Zierstiche. Die Handhabung der diversen Stiche ist ganz einfach. Oben an der Maschine können eine Art Zahnräder für verschiedene Stiche ausgetauscht werden. Service wird im Geschäft angeboten. Anuscha hatte nur leuchtende Augen für das neue Modell. Wir konnten das gut nachvollziehen, es wäre uns nicht anders ergangen. Die neu erworbene Nähmaschine kostete 25500 Rupien ca. 320 Fr. Inbegriffen ist ein Jahr Garantie und 3 Unterrichtslektionen. Das einfachere Modell hätte ca. 220 Fr. gekostet. Würde Anuscha unsere Kirchenfeste kennen, wäre für sie heute Weihnachten und Geburtstag zusammen gekommen. Sie hatte vor lauter Freude Tränen in den Augen. Wir sind überzeugt, dass es gut investiertes Geld ist und Anuscha und Roschan ihre gemeinsame Zukunft gut meistern werden.

27.09.06
Eigentlich gingen unsere Vorstellungen dahin, dass wir heute einen freien Tag zur Verfügung hätten. Prijante rief uns jedoch am Morgen an, dass im Haus Nr. eins eine kleine Eröffnungsfeier stattfindet. So machten wir uns ein weiteres Mal auf den Weg nach Kaluppe. In Prijantes Wohnzimmer erwartete uns bereits wieder eine Menschengruppe. Es sind immer wieder die selben Geschichten. Die einen benötigen ein Haus, die andern Medikamente. Letztere bringen immer gleich auch die Krankengeschichte und die Arztverordnungen mit. Dann wurde uns auch heute wieder von einer alten Dame Land zum kaufen angeboten. Es entstand eine ziemlich lange und lustige Diskussion. Sie wollte unbedingt dass wir ihr Land kaufen, besass jedoch keine gültigen Papiere über den Landbesitz. Eine Frau die dringend um Unterstützung für ein neues Heim bat, haben wir nach Hause begleitet, um uns ein Bild von der momentanen Lebenssituation zu machen. In diesem „Haus“ wohnen vier Personen. Zwei weitere Kinder können beim Nachbar im Haus schlafen. Schade, dass wir sie nicht zu Beginn unseres Aufenthaltes getroffen haben. Ihnen hätten wir gerne geholfen. Besonders gefreut haben wir uns heute morgen über den Besuch von Raneka und Naodi. Mit ihnen hatten wir letztes Jahr während dem für sie bestimmten Hausbau eine gute und sehr persönliche Zeit. Sie haben uns für am Freitag morgen eingeladen.
Die Einweihung des ersten Hauses hielt sich wie bei Haus vier im kleinen Rahmen und denselben Ritualen.
Im zweiten und dritten Haus wird es morgen um 9 Uhr eine etwas grössere Party geben. Die Vorbereitungen dazu sind bereits im Gange.
Heute möchten wir noch anhand von einigen Bildern die Geschäftswelt von Hikkaduwa vorstellen. Es gibt unzählige Geschäfte und Geschäftsleute. Jeder führt sein eigenes kleines Unternehmen, ob drinnen oder draussen.
Einer bietet WC Schüsseln in den schönsten Farben an, sein Nachbar besitzt ein Motorrad Geschäft und bietet Räder für die ganze Familie an. Einer verkauft Nähmaschinen, der andere liefert sie aus. Auf dem Tagesmarkt herrscht immer ein grosses Treiben, diese drei Herren haben es beim Verkauf ihrer Bitelnuss-Blättern etwas gemütlicher. Einer verkauft alte Schuhe, der Schuhmacher versucht zu retten was noch zu retten ist. Das Brot kann in der Bäckerei gekauft werden oder es wird nach Hause geliefert. Bananen und Kräuter gibt es an jeder Strassenecke zu kaufen. Die einen bieten Plastikgeschirr an, die anderen Tontöpfe. Baumaterialien sind zur Zeit sehr gefragt. Gleich nebenan kann man sich mit dem nötigen Zement ausrüsten. Für die durstigen ist der Kokosnuss Verkäufer zuständig. Inhaber von Kleider- und Souvenirgeschäften halten Ausschau nach Touristen. Gemüse und Obst gibt es Lastwagenweise. Bei den Strandkaffees bieten sehr beharrliche Strandverkäuferinnen ihre Ware zum Kauf an. Mit ihnen kann man so richtig handeln. Dank der vielen neuen Fischerboote kann auf dem Fischmarkt wieder frischer Fisch angeboten werden. Die moderne Technologie bietet Fernsehen und Internet an, doch auch die herkömmliche Arbeitsweise mit dem Ochsenkarren gehört zum alltäglichen Strassenbild. Auf der Strasse sieht man wie Väter ihre Kinder ausführen und Männer mit ihren Haustieren spielen.

28.09.06
Heute war der Tag des Abschieds und der Partys. Zum letzten Mal fuhr Chaminde uns in seinem Tuk Tuk ins Dorf. Heute sollten um 9 Uhr 32 und 10 Uhr 34 die Häuser zwei und drei eröffnet werden. Der Empfang dort war unglaublich. Mir kamen vor lauter Freude die Tränen. Alle hatten sich die besten Kleider angezogen und es herrschte ein emsiges Treiben. Ein junger Mann hat in Handarbeit ein Empfangstor für uns vorbereitet. Das Material dazu stammt alles aus der Natur. Anstelle des roten Teppichs organisierten sie frisches Sägemehl und streuten es vor dem Tor aus. Mit Blumenkränzen haben sie uns willkommen geheissen. Beide Häuser waren schön geschmückt und hergerichtet. Es war einfach unglaublich, wie viel Mühe sie sich gaben um uns ihre Freude und Dankbarkeit zu zeigen. Es hat uns tief bewegt. Bei beiden Häusern war ein Band vor die Eingangstüre gezogen. Unter Applaus durfte Uli die Bänder zu einer genau bestimmten Zeit durchschneiden. Die Eröffnungszeremonien waren dieselben wie bei Haus eins und vier. Heute durften wir alles zweimal machen. Wie beim Baubeginn der zwei Häuser wechselten wir auch heute für jede Handlung und Zeremonie von Haus zu Haus. Das galt auch fürs Festessen. Innerhalb von 2 Stunden gab es zweimal Milchreis, Sambalzwiebeln usw. Wir wollten keine der beiden Familien enttäuschen und haben uns tapfer durch gegessen. Von Dajratne wissen wir, dass süsse Früchte vor allem Bananen nach zu scharfem Essen das Feuer im Mund lindert. Wir haben das schon öfters ausprobiert und es wirkt. Auch heute habe ich dies getan. Nur habe ich anstelle von Bananen frische Ananasscheiben bevorzugt. Zu spät merkte ich, dass die Ananas mit Salz und scharfem Pfeffer gewürzt waren. Das hat dann ganz schön eingeheizt. Der Abschied von der Dorfbevölkerung dauerte heute länger als sonst.
In Prijantes Haus erwartete uns Anuscha. Sie brachte ihre ersten Werke, eine kleine Tasche und ein Brillenetui die sie mit ihrer neuen Nähmaschine nähte uns als Geschenk. Aus dem Dorf kam die Witfrau aus Haus drei und der Sohn aus Haus zwei und überbrachten uns zwei aus farbiger Schnur geknüpfte Fische.
Und weiter ging’s zur nächsten Party. Zu Ehren der 12jährigen Tochter von Haus vier wurde ein Fest gefeiert. Alle sprachen immer von einem Hochzeitsfest. Wir waren erstaunt und konnten es nicht recht glauben, dass ein so junges Mädchen verheiratet wird. Nun hat sich der Grund des Festes geklärt. Immer wenn ein junges Mädchen zum ersten mal die Regel hat und somit zur Frau heran reift, wird dies gebührend gefeiert. Die Mütter gehen im Voraus von Haus zu Haus und laden alle zum Mitfeiern ein. Jeder geladene der kommt, bringt etwas Geld als Geschenk mit. Damit kann anschliessend das Festzelt und der Partyservice bezahlt werden. Die gefeierten erhalten ein neues, spezielles Kleid und übernehmen die Pflichten der Begrüssung und der speziellen Einladung zum Essen der ankommenden Gäste. So eine Party dauert den ganzen Tag. Leute kommen und gehen. Die meisten verabschieden sich nach dem Essen gleich wieder. Das ist auch gut so, denn sonst gäbe es nicht genügend Stühle und Teller.
Dies ist unser letzter Bericht aus Hikkaduwa, da wir morgen unsere Heimreise antreten. Unser Dank gilt all jenen die uns mit Spenden und ihrem Vertrauen unterstützt haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

E-Mail: uli@walpen-family.ch

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Wir danken allen die uns bei diesem Projekten unterstützt haben.

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